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Die traditionellen chinesischen Wohnhaustypen


FACHGEBIET: THEORIE, GESCHICHTE UND KRITIK DER ARCHITEKTUR

CHIH-HSING SHEN / M. ERAY OezKAN


Einleitung

China umfasst mit 9.600.000 Quadratkilometern ein fuenfzehnstel der gesamten Erdoberflaeche. Das macht China zum drittgroessten Land der Erde. Seine territoriale Ausdehnung betraegt 5500 km von Norden nach Sueden und 5000 km von Westen nach Osten. Topographisch betrachtet erstreckt sich das Land von der Ostkueste bis zum tibetanischen Hochgebirge, beinhaltet dabei den hoechsten Berg, das groesste Loessgebiet und die zweitgroesste Wueste der Welt; die Klimazonen reichen vom kaltgemaessigten Klima im Norden bis zum tropischen Klima im Sueden. Aus dieser ungeheuren Weite resultiert eine Vielzahl ethnischer Volksgruppen, die bedingt durch das Klima, ihrer verschiedenen Kulturen und Religionen, zu sehr unterschiedlichen Wohntypen gelangt sind.

Aufgrund der grossen Anzahl traditioneller chinesischer Wohnhaeuser moechten wir eine Gliederung vornehmen, die eine UEbersicht und einen Zusammenhang zwischen den Wohntypen schaffen soll. Die Teilung haben wir nach drei Gesichtspunkten vorgenommen. Der erste Gesichtspunkt entspricht der Aufteilung in sechs geographische Bereiche, der zweite der Beruecksichtigung der unterschiedlichen Volksgruppen und der letzte Gesichtspunkt stellt Beijing und Shanghai als spezifische Orte gesondert heraus.

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Die eingeschossigen Wohnhaeuser in Nordchina

Dieser Haustyp wird in Nordost-, Nord- und Nordwestchina sehr oft angetroffen. In dieser Region leben viele arme Bauern in Grossfamilien in sehr bescheidenen Verhaeltnissen.

Die ueberwiegend eingeschossigen Haeuser haben Flach-, Pult- oder Satteldaecher, die aus Erde und Getreide gemacht sind. Die rechteckigen Grundrisse beinhalten groesstenteils Wohnungen mit 3 bis 5 Zimmern, mit Eingangstueren, die grundsaetzlich in der Mitte der Haeuser liegen. Die tragende Konstruktion ist das Holzskelett, wobei auch teilweise gemauerte Waende als tragende Elemente benutzt werden.

In dieser Gegend kann die Temperatur im Winter bis auf -30¢XC sinken. Um sich gegen Kaelte zu schuetzen, werden die Zimmer niedrig und schmal gehalten. Die Daecher und die Waende werden mit gemischten Materialien in massiver Bauweise gebaut. Um mehr Sonneneinstrahlung zu bekommen und den noerdlichen Wind zu vermeiden, werden die Haeuser meistens mit grossen Fensterflaechen nach Sueden ausgerichtet. Die noerdlichen Fassaden weisen keine oder kleine Fenster auf.

Das Heizsystem spielt im Winter eine grosse Rolle im Leben der Menschen. Sie benutzen den Kang, eine aus Ziegeln gemauerte heizbare Schlafbank im Innenzimmer, die aber eine Verbindung zum Ofen im Aussenzimmer hat. Das Aussenzimmer beinhaltet die Kueche und dient als Arbeitsbereich, wo z.B. das Wasser gekocht, das Holz gehackt und Naeharbeiten gemacht werden. Das Wohnen und Schlafen der Bauern spielt sich ueberwiegend im Innenzimmer ab. Durch die klare Trennung wird das Innenzimmer vom Schmutz, der im Aussenzimmer entsteht, ferngehalten. Die Benutzung von Doppeltueren und Doppelfenstern ist eine weitere Massnahme des Waermeschutzes, die von den Bauern praktiziert wird.

Bei den eingeschossigen Haeuser in Nordchina existieren in der Regel keine Innenhoefe und Ummauerung. Die offene Mentalitaet der Menschen macht eine Abgrenzung des Grundstueckes zu den Mitbewohnern ueberfluessig. Einfache Pflanzungen an den Haeusern druecken lediglich die natuerliche Lebensart in dieser Gegend aus.

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Die Wohnhoefe in Beijing

Der Wohnhof, das Anwesen mit ebenerdigen Haeuser um einen rechteckigen Hof, ist das Basiselement der traditionellen chinesischen Wohnhaeuser. Die Haeuser koennen in vertikaler und horizontaler Richtung erweitert werden. Aussen werden sie durch die Ummauerung umfasst bzw. begrenzt, innen werden die Zimmer durch Verandas verbunden.

Solche Wohnkomplexe erfuellen die Funktionen fuer das Zusammenleben der Grossfamilien gut, da der einzelne Wohnhof die Erhaltung der Privatsphaere jedes Ehepaares ermoeglicht.

Die Familien huldigen den Verstorbenen durch das Errichten eines Ahnentempels. Reiche Familien leisten sich zusaetzlich einen Haustempel, ein oder mehrere Lesezimmer und einen Garten.

Die Wohnkomplexe in Beijing bestehen in der Regel aus zwei Wohnhoefen, dem inneren und dem aeusseren Wohnhof. Im Inneren liegt der nach Sueden ausgerichtete Hauseingang. Dieser gliedert sich in drei Gebaeudeteile, dem Hauptteil und den beiden Fluegelteilen. Der Hauptteil wird von dem Familienoberhaupt bewohnt und besteht aus 3 bis 5 Hauptzimmern, die als Bankettsaeale oder Empfangsraeume genutzt werden. Auf beiden Seiten des Hauptteils befinden sich die Kueche, die Toilette und andere Nebenraeume. Die den Hauptteil flankierenden Fluegelteile beinhalten mehrere Zimmer, die den Verwandten der Seitenlinie als Wohnraum dienen. Die Tiefe und die Hoehe der Fluegelzimmer sind kleiner als die des Hauptzimmers und die Dachtraufhoehen der Seitenfluegel liegen grundsaetzlich tiefer als die des Hauptteils. Aus licht- und waermetechnischen Gruenden werden die Hauptteile laenger gestaltet als die Fluegelteile.

Der aeussere Wohnhof stellt bei wohlhabenden Familien eine Wiederholung des Innenhofes in suedlicher Richtung dar. Diesem wird der Eingangstrakt, mit der Eingangstuer auf der suedoestlichen Seite vorangestellt.

Die Grundrisse passen sich sehr gut der Familienethik der chinesischen Tradition an und erreichen dabei eine Zunahme der Privatsphaere nach hinten hin. Trotz der strengen Raumordnungsprinzipien ist eine lebendige Architektursprache zu spueren. Der Besucher tritt durch ein reichverziertes Tor ein und findet sich in einem geschlossen Vorraum, dem Warteraum, vor. In der Zeit in der er dem Hausherrn angekuendigt wird, kann er die Schatten der Pflanzen auf den Waenden und der Paravent vor dem Wohnzimmer betrachten. Wenn er vom Hausherrn empfangen wird, durchlaeuft er, ein weiteres Tor passierend, den Aussenwohnhof, der in den Vorraum des Hauptbahnhofs muendet. Durch eine volldekorative Tuer tretend, gelangt er schliesslich in den ruhigen und bepflanzten Innenwohnhof.

Da Beijing ueber einige hundert Jahre Hauptstadt Chinas ist, findet man hier eine ausgereifte Architektur vor. Dieser Haustyp wird als Symbol der traditionellen chinesischen Wohnhaeuser betrachtet.

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Der umfassende Wohnhof in Nordwestchina

In Nordwestchina ist die Wohndichte sehr niedrig. Die Hui (moslemische)-Nationalitaet umfasst den inneren Wohnhof mit einer Ummauerung, um das Vieh in unmittelbarer Naehe zu halten. Der Garten und der Parkplatz befinden sich ebenfalls innerhalb der Ummauerung. Vor dem Hof wird Gemuese und Getreide gepflanzt.

Der Aufbau des Innenhofes entspricht dem Beispiel in Beijing, doch ist der aeussere Wohnhof, der durch die Ummauerung entsteht und dabei den inneren umschliesst, als wesentlicher Unterschied und typisch fuer diese Bevoelkerung anzusehen. Diese Art des Aufbaus der Wohnhoefe trifft man in China nicht oft an. Er unterscheidet sich unter anderem wegen der Ausuebung einer anderen Religion, der sich zwangslaeufig in der Architektur widerspiegelt. So hat das moslemische Volk einen Waschplatz in der Veranda, um der Pflicht, sich vor dem Gebet zu Waschen, nachgehenzukoennen. Andererseits ist aber auch die starke Beeinflussung durch die Han-Nationalitaet nicht zu uebersehen.

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Der grosse Wohnhof in Nordostchina

Diese Region zeichnet sich durch das Vorhandensein grosser Grundstuecke aus, was auf die Haltung von Haustieren und Anbau von Getreide zurueckgeht. Der Platzbedarf, der fuer die Unterbringung des Viehs benoetigt wird, spiegelt sich in den grosszuegig geplanten Grundrissen reicher Bauernhoefe wider. Die ungefaehre Form der Haeuser in Beijing wird zwar auch in Nordostchina beibehalten, doch kann man bei naeherer Betrachtung erkennen, dass hier eine ungebundenere Planung praktiziert wird, die sich den Beduerfnissen der Menschen unterordnet. Charakteristisch fuer diese Gegend sind die grossen Innenhoefe mit massiven und hohen Ummauerungen, die in den Ecken mit Kanonen ausgeruestet sind, um sich gegen die haeufig einfallenden Raeuber verteidigen zu koennen.

Wegen der lockeren Grundrissgestaltung gibt es vor dem Vorderwohnhof keinen Eingangstrakt; der in traditionellen Wohnhaeusern uebliche Sichtschutz wird nur durch eine freistehende Wand in der Mitte des Hofes gewaehrleistet.

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Das "Mankang" Wohnhaus der Chaoxian (koreanischen) Nationalitaet

Die Chaoxian-Nationalitaet lebt in Nordostchina weitgehend von der Agrarwirtschaft. Das traditionelle Wohnhaus wird normalerweise von fuenf nebeneinander liegenden Zimmern gebildet, die in einem rechteckigen Grundriss angeordnet sind. Eines der beiden seitlichen Zimmer wird als Stall genutzt, dass andere als Lagerraum. Die beiden innenliegenden Zimmer werden vollflaechig mit dem ?Kang" (aus Ziegeln gemauerte heizbare Schlafbank) ausgestattet, um im Winter eine behagliche Temperatur in den Raeumen zu erzielen. Die Kueche liegt zwischen dem Stall und dem Wohn- bzw. Schlafzimmer, worin sich der Ofen befindet. Von dem aus werden die beiden anliegenden Wohnraeume durch Leitungen, die im Boden mit der Kueche verbunden sind, beheizt. Die Lage des Stalles neben der Kueche ermoeglicht die Erwaermung jener, durch die sich ausbreitende Waerme.

Es gibt zwischen Tueren und Fenstern in den Wohnraeumen fast keinen Hoehenunterschied, da die Erhoehung, die sich durch den Kang ergibt, die Differenz beider relativiert. Die Gewohnheit der Menschen, auf dem Boden zu sitzen, zu essen und zu schlafen aehnelt der japanischen Lebensart.

Der Kang wird mit Holzlatten bedeckt und in manchen Faellen zusaetzlich mit Papier beklebt, wodurch die rauhe Oberflaeche des Ziegels wohnlicher gemacht wird; die Waende werden tapeziert. Die Tueren der Innenraeume sind meistens Schiebetueren. Vor den Wohn- und Schlafzimmern befindet sich eine Veranda mit einem Holzboden, wo die ausgezogenen Schuhe abgelegt werden koennen. Im Sommer dient die Veranda den Bewohnern als Terrasse.

Die hauptsaetzliche Dachform ist das Walmdach, das aus Holz, Lehm und Stroh gebaut wird. Der Dachcharakter entsteht durch die Ausbildung der Firstbohle und die nach oben geschwungenen Dachenden, wobei die Dachneigung nicht sehr steil ist.

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Die einzelnen Wohnhaeuser in Suedchina

Das Wetter in Suedchina ist warm und feucht. Die Wohnhaeuser dieser Gegend haben ueberwiegend leichte Ziegelsteindaecher und Waende, die aus AEsten, Bambus, Schilf und Lehm bestehen. Wegen der leichten Konstruktion ist eine vielfaeltige Spielmoeglichkeit bei den Fassaden gegeben, wie z.B. Rueckspruenge in den Dachgeschossen und das Einfuegen von Eckhaeusern. Ein weiterer Vorteil der leichten Bauweise wird durch die Schaffung grosser Raeume ausgenutzt.

Die Haeuser werden nach Moeglichkeit nach Suedosten ausgerichtet. Der Schwerpunkt im Entwurf dieser Haeuser liegt im Schutz gegen die starke Sonneneinstrahlung, deswegen werden Nischen, Rueckspruenge der Dachgeschosse und kleine Fensteroeffnungen sehr oft verwendet. Mehrgeschossige Haeuser koennen in Suedchina haeufig angetroffen werden, die als freistehende Einzelgebaeude keine Hoefe haben. Das Erdgeschoss wird in einigen Orten als Abstellplatz genutzt. Die Fassaden sind wegen der unterschiedlichen Geographie, Groesse und Konstruktion sehr lebendig und wechselhaft gestaltet. Die Architektur in Suedchina zeigt einen starken Ortscharakter und ein sensibles Gefuehl in der Gestaltung.

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Der geschlossene Wohnhof in Suedchina

In den Regionen der geschlossenen Wohnhoefe Suedchinas herrscht ein regenreiches, heisses und schwueles Wetter vor. Um den sonnengeschuetzten Bereich in den Haeusern gross zu halten, werden statt der grossen Wohnhoefe in Beijing kleine Lichthoefe benutzt. Dadurch, dass um den Lichthof eine ueberdachte Veranda verlaeuft ist dieser groesser als die OEffnung im Dach vermuten laesst. Die Raeume werden aufgrund der kleinen Ausmasse des Lichthofs zu einem komplexen Gebilde zusammengesetzt.

Die Wohnraeume des Hauses setzen sich aus dem Hauptwohnzimmer, der Vorhalle, der Veranda, dem hinteren Wohnzimmer und dem Nebenzimmer zusammen. Das Hauptwohnzimmer dient als alltaegliches Lebenszentrum, in dem auch die Gaeste empfangen werden. Es ist hoeher, groesser und dekorativer gestaltet als die uebrigen Zimmer, d.h.bei seiner eingeschossigen Ausgebildung beinhaltet es bei gleicher Traufhoehe zwei Geschosse der uebrigen Bereiche. Die Zimmer neben dem Hauptwohnzimmer sind nicht so hell und werden daher als Schlafzimmer und Lagerraeume genutzt.

Die oben beschriebenen Lichthoefe befinden sich auf beiden Seiten des Hauptwohnzimmers und sorgen fuer den Luftaustausch der anliegenden Zimmer. Die Innenhoefe sind bepflanzt, mit Sammelbehaelter fuer das Regenwasser ausgestattet und haben oft Boeden, die mit Steinplatten ausgelegt sind.

In einigen Provinzen in China werden die Ansichten des Hauses von hohen Ummauerungen ganz verdeckt, die entweder kleine oder keine Fensteroeffnungen enthalten. Der Haupteingang liegt etwas versteckt in der Ummauerung und seine Hoehe wird niedrig gehalten. Die unterschiedlichen Hoehen der Ummauerungen der Wohnhaeuser erzeugen in der Horizontalen eine lebendige Bewegung. Die weissen Waende, die schwarzen Ziegeldaecher und die gruenen Baeume formen ein ruhiges und elegantes Dorfbild.

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Der offene Wohnhof in Suedchina

Die offenen Wohnhoefe in Suedchina haben keine Ummauerung, wodurch die Fassadenansichten unverdeckt betrachtet werden koennen. Man trifft sie in Taiwan und in der Provinz Fujian oft an. Aufgrund der geringeren Beschraenkungen in der Planung bieten die offenen Wohnhoefe im Vergleich zu den geschlossen mehr Gestaltungsvariationen in den Gebaeudeformen und sind verhaeltnismaessig groesser gestaltet. Feine Dekorationen der Elemente, wie z.B. des Daches, der Holzschnitzereien und der Reliefs schaffen ein abwechslungsreiches Bild. Durch die Verwendung ortsueblicher Baumaterialien und des Verzichts auf aufdringliche Dekorationen wird trotz der reichen Ornamentik ein bescheidenes und harmonisches Gesamterscheinungsbild erreicht.

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Das "Ein-Stempel" Wohnhaus in Yunnan

Das Klima in der Provinz Yunnan ist ueber das gesamte Jahr mild, aber sehr windig. Die ?Ein-Stempel" Wohnhaeuser haben eine meist fensterlose oder mit kleinen Fenstern auf der Eingangsseite versehene Ummauerung in quadratischer Form, die in erster Linie dem Schutz gegen den Wind dient. Die Innenhoefe sind klein gehalten und weisen eine Gruppierung des Wohnbereiches um den Innenhof, nach dem Beispiel in Beijing, auf. Nach Durchlaufen des Eingangstores gelangt man in die Vorhalle, an die sich eine einfache Veranda anschliesst, von der aus die Raeume im Erdgeschoss und ueber eine oder mehrere Aussentreppen, die Raeume im oberen Wohnbereich erschlossen werden. Die Daecher wirken durch ihre unterschiedlichen Hoehen innerhalb eines Wohnhauses abwechslungsreich, insbesondere bei Betrachtung vom Innenhof aus. Der Name ?Ein-Stempel"-Wohnhaus wurde diesem Haustyp aufgrund seiner AEhnlichkeit mit einem chinesischen Stempel gegeben.

 

Der "Zhaobi" (Schutzmauer hinter dem Eingangstor) der Bai-Nationalitaet

Die Bai-Nationalitaet pflegt bereits ueber einen langen Zeitraum einen regen Kulturaustausch mit der Han-Nationalitaet, der groessten Bevoelkerungsgruppe in China. Der Wohnkomplex und der Wohnhof werden von dem ?Zhaobi", einer Mauer hinter dem Eingangstor geschuetzt. Dieser wird mit chinesischer Kalligraphie und Pflanzen und das Eingangstor meist kunstvoll mit dekorativen Elementen verziert. Das Hauptgebaeudeteil ist haeufig mit einer bizarren, herauskragenden UEberdachung versehen. Die Firstbohlenlinien der Daecher haben elegante Formen und unterschiedliche Hoehen. Insgesamt charakterisieren diese ausdrucksvollen Daecher und der ?Zhaobi" in besonderem Masse diesen Bautyp. Da das Klima dieser Gegend ueber lange Perioden sehr warm ist, ist die Veranda ein beliebter und vielgenutzter Aufenthaltsort der Familien. Die an der Veranda liegenden Fenstern und Tueren sind abnehmbar, wodurch die Trennung des Innen- und Aussenbereiches nahezu aufgehoben werden kann.

Die Bai-Nationalitaet ist beruehmt fuer ihre Dekorationskunst und nimmt in China eine hervorragende Stelle ein.

 

Die Wohnhaeuser der Bergbewohner in Suedchina

Die guten klimatischen und geographischen Voraussetzungen in Suedchina sorgen fuer eine grosse Anzahl unterschiedlicher Baumaterialien. Der Charakter, der von den Bergbewohnern gebauten Wohnhaeuser, ist gepraegt durch die starke Anpassung dieser an die bergige Topographie, aufgrund dessen sich flexibel gestaltete Grundrisse und Fassaden ergeben. Die Grundstuecke, auf denen sich die Haeuser befinden, werden nach Kriterien ausgewaehlt, die die Bedingungen ausreichender Wasserquellen und einer, von der UEberschwemmung nicht betroffenen Hoehe, erfuellen. Bei der Bebauung der Berge liegen zwei grundsaetzlich verschiedene Bautypen vor. Beim ersten Typus nimmt eine, aus meist zwei Gebaeuden einer Familie zusammengefuegte, Wohnhausgruppe terrassenartig die Bergneigung auf, indem das hintere Haus hoeher liegt als das vordere. Beim zweiten Typus widersetzt sich das Haus der Neigung und ein meist langer Baukoerper wird in den Berg hineingeschoben. Das erste Beispiel ergibt sich bei sehr steilen Neigungen, hingegen sich das zweite fuer schwache Neigungen eignet. Beiden Typen gemeinsam ist die haeufig zu beobachtende Kombination, einer zweigeschossigen Frontfassade mit einer eingeschossigen Hinterfassade. Die Konstruktion der Berghaeuser ist verhaeltnismaessig leicht und sehr wirtschaftlich.

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Das "Wu-Feng" Wohnhaus der Ke-Nationalitaet mit dem umfassenden Erddamm

Im 2. Jahrhundert v. Chr. musste ein Teil der Han-Bevoelkerung in Folge der Kriege nach Sueden abwandern. Sie bekamen von der dort ansaessigen Bevoelkerung den Namen ?Ke" (Gast) -Nationalitaet. Um sich gegen Angreifer verteidigen zu koennen, wurden die Haeuser mehrerer Familien hinter einer gemeinsamen, ueber einen Meter dicken, aus gelbem Schlamm, Sand und Muscheln hergestellten Ummauerung, zusammengefasst. Die Ummauerung wurde zudem mit Kanonen ausgeruestet.

Aufgrund der hohen Anzahl an Gebaeuden und Wohnhoefen ergeben sich grosse Anlagen, mit teilweise hohen Geschosszahlen. Vor dem Eingangstor befinden sich in der Regel eine grosse Tenne und ein halbkreisfoermiger Teich, mit letzterem die Behinderung des Zugangs zur Wohnanlage fuer Angreifende gekoppelt wird, mit der Schaffung eines aesthetisch ansprechenden Objektes. Das halbkreisfoermige Hinterteil der Wohnanlage verbindet sich mit den Seitenteilen zum ?umfassenden Erddamm", der durch seine massive Bauweise, den Schutz der Anlage vervollstaendigt. Normalerweise wird der Wohnkomplex von einer Erddammreihe umgeben, doch gibt es Beispiele, bei denen zwei oder mehrere Reihen vorhanden sind. Man nennt diese Wohntypen ?Wu-Feng" (fuenf Phoenixe) Wohnhaeuser. Die Gebaeude haben haeufig stark nach oben gewoelbte Dachenden.

Die Zimmeranzahl und die Groesse der Wohnanlage richtet sich nach der Einwohnerzahl, die mehrere hundert Menschen umfassen kann. Als Standort fuer die Wohnhaeuser werden bevorzugt Berghaenge gewaehlt, die mit Bambus, Obst und Gemuese gepflanzt werden.

 

Das "Tu-Luo"-Wohnhaus in Fujian

Das ?Tu-Luo"-Wohnhaus hat sich aus dem ?Wu-Feng"-Wohntyp der Ke-Nation-alitaet, mit dem umfassenden Erddamm und dem befestigten Bergdorf entwickelt. Die aeltesten Gebaeude des entstandenen Bautyps gehen auf das 14.Jhrdt zurueck, haben einen rechteckigen Grundriss und werden noch heute bewohnt. Parallel zu dem rechteckigen entstand spaeter das Wohnhaus mit rundem Grundriss.

Die runden Wohnanlagen bestehen aus einem oder mehreren Wohnringen, wobei der aeussere meist 4- geschossig ausgebildet ist. Die Begrenzung der Wohnanlage stellt die Aussenwand dar, die aus einem Gemisch aus Erde, Sand, Schlamm und Muscheln besteht, im unteren Bereich eine Dicke von ueber 2 m erreicht und auf einem Steinfundament steht. Die einzigen Fensteroeffnungen in der Aussenwand sind eine Reihe kleiner Schiessloecher im oberen Bereich, die fuer die Verteidigung der Wohnanlage vorgesehen sind. Bei grossen ?Tu-Luo"-Anlagen wird dem Aussenring ein 1- bis 2-geschossiger Innenring vorgesetzt. Zwischen Aussen- und Innenring werden durch kurze Trennwaende die Innenhoefe der Familien gebildet. Das Haupttor besteht aus Hartholz in 13 cm Staerke, dass mit einer Eisenschicht versehen und von einer Steinrahmenlaibung umfasst wird. UEber dem Torsturz sind Sprinkler angeordnet, die durch Leitungen mit dem Wasserkasten im Gebaeudeteil versorgt werden und im Kriegsfall als Feuerloescher dienen. Neben der alltaeglichen, nur von der Familie genutzten Innenveranda existiert im Dachgeschoss eine ca. ein Meter breite Veranda entlang der Aussenwand, in der sich oben erwaehnte Schiessloecher befinden. Diese Verteidigungsveranda laeuft um die gesamte Wohnanlage und dient zum Schutz gegen die Angreifer. Die Erschliessung des obersten Geschosses wird durch mehrere, gemeinsam genutzte Treppenhaeuser gewaehrleistet. Einige Wohnanlagen stehen nahzueinander, um die Verteidigungskraft zu verstaerken.

Die Aufteilung der Wohnanlage in Familieneinheiten erfolgt durch regelmaessig angeordnete Trennwaende, die senkrecht durch die Geschosse fortgesetzt werden. Die Kueche, das Lager und der Stall werden im EG, die Schlaf- und Wohnzimmer in den oberen Geschossen geplant.

Die runden Wohnhaeuser entwickelten sich aufgrund der Vorteile des geringeren Materialverbrauchs, der Vermeidungen toter Ecken, der Vergroesserung des Nutzraumes und der Erhoehung der Widerstandsfaehigkeit gegen Erdbeben zur bevorzugt gebauten Variante.

 

Die Wohnhoehlen in den Loessgebieten in Nordwestchina

In den Loessgebieten Nordwestchinas ist die Wohnhoehle der verbreitetste Wohntyp. Der Standort und die Form der Wohnhaeuser richtet sich nach den geographischen Gegebenheiten, wie z.B. Festigkeit des Bodens. Die Wohnhoehlen werden in zwei Typen gegliedert, die unterschiedliche Topographien voraussetzen. Die eine entsteht durch die Aushebung der Erde zu einer quaderfoermigen Negativform im ebenen Gelaende, die andere setzt eine relativ steile Bergneigung voraus, bei der die Erde zu terrassenartigen Stufen geformt wird. Eine Stufe entspricht dabei der Hoehe eines Hauses, die sich aus der Hoehe des Wohnraumes und der mindestens 3 m hohen Dachdecke aus Erde zusammensetzt. Um die Erde zu schuetzen wird eine Ziegelsteinabdeckung als Oberflaechenmaterial vorgesehen. Die Wohnhoehlen sind 3-4m breit und 5-9m tief. Die Abstaende zwischen den Wohnhoehlen betragen 2.5 -3m. Die Beheizung der Wohnhoehlen wird durch den Kang gewaehrleistet, der sich in der Naehe des Eingangs befindet. (Der Kang, eine aus Ziegeln gemauerte heizbare Schlafbank, wurde im Text ueber die ?Mankang" Wohnhaeuser naeher beschrieben). Die Raeume in tieferen Bereichen der Hoehlen dienen als Lagerraeume, die durch ihre Lage eine gleichbleibend kuehle Temperatur gewaehrleisten. In Xi¡¦an z.B. halten die Wohnhoehlen in 4-6m Tiefe unter Erdniveau das ganze Jahr eine Temperatur von 14-16.5¢XC .

Die Wohnhoehlen werden durch weitere Gebaeude in Positivbauweise zu einem Wohnkomplex mit Innenhof ergaenzt. Sie zeichnen sich durch niedrige Baukosten, eine sehr hohe Lebensdauer und gute waermetechnische Eigenschaften aus; nachteilig sind die hohe Feuchtigkeit im Sommer und der schlechte Luftaustausch.

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Die Wohnhaeuser der Uygur-Nationalitaet

Im Sueden von Xinjiang, einer Provinz in Westchina, ist das Wetter warm und trocken. Die Uygur-Bevoelkerung lebt hier in Wohnhaeusern mit meist rechteckigem Grundriss. Der ueberwiegende Teil der Bevoelkerung gehoert dem islamischen Glauben an. Den zentralen Aufenthaltsort bilden die hellen Wohnzimmer, die einen unmittelbaren Zugang auf die 2m breite und etwa 50cm hohe Veranda erlauben und deren gute Belichtung in den geschlossenen Wohnzimmern durch Oberlichtfenster, in den halboffenen durch grosszuegige Deckenoeffnung und in den offenen Wohnzimmern durch Deckenverzicht erreicht wird. In diesen ist in der westlichen Wand eine Gebetnische angeordnet, die der Orientierung beim Gebet in Richtung Mekka dient; zudem wird hier bei Empfang von Gaesten in der Naehe des Kamins gegessen, getanzt und gesungen. Nachts erfuellt die Veranda auch die Funktion der UEbernachtung im Freien und auch die Kueche wird im Sommer nach draussen verlegt. In Wohnhaeusern wohlhabender Familien kann man haeufig zwei verschiedene Wohnzimmer in Kombination antreffen. Die Bewohner leben und fuehren die meisten Taetigkeiten auf, mit Teppichen ausgelegten, Fussboeden aus und richten sich, aus europaeischer Sicht, nur mit wenigen Moebeln ein. Fuer Gaeste ist ein UEbergangszimmer geplant, das das abrupte Eintreten ins Wohnzimmer verhindert.

Holz (teilweise in Verbindung mit Erde und pflanzlichen Baustoffen), dient als Baumaterial fuer die Konstruktion der Waende, Decken, Treppen und dekorativen Elemente. Die Verwendung des Ziegelsteins wird weitgehend fuer die Erstellung des Fundamentes benutzt.

 

Das quadratische Wohnzimmer der (tibetanischen) Zang-Nationalitaet

Die tibetanische Nationalitaet lebt auf mehrere Provinzen verteilt im Westen Chinas, in unterschiedlichen Wohnhaustypen.

In Gansu und Qinghai wohnt die Bevoelkerung in Wohnhaeusern mit tragender Holzkonstruktion, die aussen verputzt sind und innen das Holzskelett sichtbar werden lassen. Die ueberwiegend 1- bis 2-geschossig ausgebildeten Wohnhaeuser besitzen keine Fenster in den Aussenwaenden und haben Flachdaecher, die fuer das Trocknen des Getreides , als Dachterrassen und als Ort alltaeglicher Aktivitaeten dienen. Im Erdgeschoss werden das Lager und der Stall angeordnet. Mittels einer Holztreppe, die vom Innenhof des Erdgeschosses hinauf fuehrt, gelangt man in das 1. OG, wo die Wohnraeume und der Haustempel geplant werden.

In den Regionen Tibet und Sichuan findet man vorwiegend 4 geschossige Steinhaeuser, die aufgrund des Materials und der kleinen Fenster AEhnlichkeit mit einer Burg haben.

In Lassa sind die 2- bis 3- geschossigen Wohnhauskuben mit Flachdaechern versehen. Aus waermetechnischen Gruenden werden die Haeuser mit nur 2.2m niedrigen Decken und mit ca. 4x4 m grossen, quadratischen Grundflaechen gebaut, woher sich auch der Name der Wohnhaeuser entwickelt hat. Die Haeuser haben ueberwiegend Steinwaende als tragende Konstruktion, und Holzstuetzen, in der Mitte der Zimmer angeordnet, unterstuetzen die Abtragung der Dachlasten.

Trotz der bescheidenen Groesse der Wohnraeume wird durch die Verwendung grosszuegiger Eckfenster und flexibler Moebel eine hohe Wohnqualitaet erreicht.

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Das Pfahlhaus der Zhuang-, Dong- und Miao-Nationalitaet

Angepasst an das feuchtwarme Klima werden die Wohnhaeuser der Zhuang-, Dong- und Miao-Nationalitaet auf Pfaehle gestellt und an Berghaengen gebaut, wo sich die terrassenartigen Felder befinden, von denen sich die Bevoelkerung ernaehrt. Die Pfahlhaeuser werden 2- bis 3-geschossig ausgebildet, beinhalten 3 - 5 Wohnraeume, eine Veranda und werden in der Regel von 5 Pfahlstuetzen getragen.

Im 1.OG wird das Wohnzimmer, das Schlafzimmer (meist klein, mit direkter Verbindung zum Wohnzimmer), die Dachstube, der Haustempel und ein Lichthof, der der Belichtung und dem Luftaustausch der Wohnraeume dient, angeordnet. Das Wohnzimmer, ausgestattet mit einer Feuerstelle und dem Essplatz, wird als Empfangsraum fuer Gaeste benutzt und dient als alltaeglicher Aufenthaltsort der Familie. Die Bewohner der Pfahlhaeuser schlafen auf niedrigen Betten oder direkt auf dem Bambus-bzw. Holzboden.

In den Siedlungen entstehen viele Einrichtungen in der Gemeinschaft und werden gemeinschaftlich genutzt, wie z.B. die Begruenung der Umgebung, die Wegpflasterung, die Gestaltung der Plaetze und der Brueckenbau. Als tragende Konstruktion wird naturbelassenes Holz verwendet, wodurch die Pfahlhaeuser relativ leicht sind. Das Zimmermannshandwerk wird von allen drei Nationalitaeten gut beherrscht, welches sich in den tragenden Holzkonstruktionen der Haeuser mit vielfaeltigen Methoden der Verbindungen der Holzelemente ausdrueckt. Die individuell gestalteten Fassaden der einzelnen Wohnhaeuser erzeugen ein reizvolles Erscheinungsbild.

 

Das "Jing-Gan" Wohnhaus

In den bewaldeten Regionen Chinas werden die ?Jing-Gan" Wohnhaeuser in einfacher Blockhausbauweise, durch das UEbereinanderlegen genuteter Baumstaemme uebereck, gebaut. Die Form dieser Bauweise mit den ueberkragenden Baumstammenden aehnelt der des chinesischen Wortes Jing # (Bedeutung: Brunnen)

Die Fertigstellung eines Wohnhauses erfolgt in der Regel innerhalb eines Tages. In kuehleren Regionen wird aus waermetechnischen Gruenden das Holz aussen und innen verputzt.

In der heutigen Zeit bilden 3-4 Blockhaeuser einen zusammenhaengenden Wohnkomplex. Die Grundrisse der Wohnhaeuser verschiedener Regionen unterscheiden sich stark, da sie ueber die gesamte Flaeche Chinas verbreitet sind.

 

Das Mongolenzelt

Die Mongolen sind ein Nomadenvolk, das hauptsaechlich von der Viehzucht lebt. Sie wohnen in leicht auf- und abbaubaren Zelten, die ihrer mobilen Lebensart entsprechen und schon vor fast 3000 Jahren existierten. Die mongolische Bevoelkerung besteht aus vielen einzelnen Gruppen, denen Groesse lediglich 20 bis 30 Zelte umfasst. Durchschnittlichen Familien stehen 1-3, wohlhabenden 6-8 Zelte als Wohnraum zur Verfuegung. Als Standort einer voruebergehenden Besiedlung wird eine erhoehte, weitgehend ebene Flaeche gewaehlt, um sich vor Sand und Wasser zu schuetzen. Dem Aufbau der Zelte geht die Entfernung der Pflanzen, die Aufschuettung einer Sandschicht und die Ausbreitung mehrerer Teppichlagen vor. Durch die Verwendung vorhandener Baumaterialien, die in Form genormter Fertigbauteile in praktischer Weise verbunden werden, entstehen Zelte, die nur etwa ein Gewicht von 300 kg haben und innerhalb einer Stunde pro Zelt aufgebaut werden koennen. Die Hoehe der Zelte ist am Rand etwa 1.40m und in der Mitte etwa 2.20m. Die Familien bewohnen in der Regel mehrere Zelte mit unterschiedlichen Groessen, wobei die kleinen bei einem Durchmesser von 4m eine Flaeche von 12-16qm und die grossen bei 5-8m eine Flaeche von 20-50qm umfassen. Die Grossen machen die Verwendung von meist 4 Stuetzen im Innenbereich notwendig. Als Abdeckung der Zelte dienen, je nach Jahreszeit, ein- bis mehrere Lederstoffschichten, die durch Seile an das innere Holztragwerk gebunden werden. Im Sommer wird im unteren Bereich der Zelte auf eine Abdeckung verzichtet, um einen Luftaustausch zu erzielen. Der Eingang der Zelte befindet sich in der Regel in sued- bis suedoestlicher Richtung. Der fuer die Maenner bestimmte Hauptplatz wird gegenueber der Eingangstuer angeordnet, rechts davon der Nebenplatz fuer die Frauen, links davon der Haustempel. In der Mitte des Zeltes gibt es eine Feuerstelle, die als Herd und im Winter zusaetzlich als Ofen genutzt wird. Der Rauch wird mittels eines Rohres, das durch die OEffnung der Dachspitze gefuehrt wird, aus dem Wohnraum befoerdert.

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Das mehrgeschossige Bambusrohr-Wohnhaus in Guangzhou

In Guangzhou herrschen Siedlungen mit einer sehr hohen Wohndichte, einer strengen Grundstuecksteilung und mit ueberwiegend schlanken und tiefen Wohnhaeusern vor. In China assoziiert man mit Bambusrohr Schlankheit, daher werden die Wohnhaeuser deren Tiefe bei 12-20m liegt, nach dieser Pflanze benannt. Die Wohnhaeuser bestehen im Wesentlichen aus dem Wohnzimmer, dem Schlafzimmer, der Kueche, ein oder mehreren Lichthoefen und einer eigenen Innengasse. Diese hat ihren Zugang auf der Strassenseite und zieht sich auf einer der beiden Seitenwaende entlang, tief ins Innere des Wohnhauses und erfuellt dabei die Funktionen des Luftaustauschs, der zusaetzlichen Belichtung und der Entwaesserung. Das Wohnzimmer in der Stadt ist meist zur Strassenseite gerichtet, wogegen es im Dorf im hinteren Bereich des Wohnhauses angeordnet wird.

In Dapu, einer Stadt in Guangzhou, werden 5-6 geschossige Reihenhaeuser, mit einer Tiefe von 6-20m bei einer Breite von 3-5m, gebaut. Im Erdgeschoss befindet sich zur Strasse hin neben der Innengasse das Geschaeft und im hinteren Bereich die Kueche. Die Erschliessung der oberen Geschosse, denen hauptsaechlich Wohnraeume zugeordnet sind, wird durch eine oder mehrere Treppen gewaehrleistet, die um die Lichthoefe gefuehrt werden. Der Verzicht auf dekorative Gestaltungselemente betont die Bescheidenheit und Schlichtheit der Haeuser, deren Tragwerk eine mit Ziegel ausgefachte Holzkonstruktion ist.

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Die Wehrtuerme und das niedrige Wohnhaus in Guangzhou

Das Hauptcharakteristikum der Doerfer in Guangzhou ist die extrem hohe Wohndichte, die durch enge Reihung der Wohnhaeuser in beide Richtungen erreicht wird und beim Betrachter das Bild einer militaerischen Ordnung hinterlaesst. Dieser Eindruck wird durch die Aufteilung der Siedlung in gleichgrosse Grundstuecke mit nahezu identisch aussehenden Wohnhaeusern und aeusserst engen, geraden Gassen verstaerkt. In Folge der Kriege im 19. Jh. und der Einfaelle raubender Banden kann man viele strategische Massnahmen in den Doerfern erkennen, die deren Schutz bezwecken, wozu vor allem die Wehrtuerme gekoppelt, mit einem dichten Bambuswald in meist noerdlicher Richtung und ein angelegter Teich, mit seitlich gelegener schmaler Bruecke in suedlicher Richtung gehoeren.

Aufgrund der engen Anordnung sind die Wohnhaeuser mit 2- bis 3- Geschossen relativ niedrig gehalten und haben in suedlicher Richtung Terrassen mit kleinen Lichthoefen, die nach Bedarf durch Klapptueren geschlossen werden koennen.

Da in der heutigen Volksrepublik die Wehrtuerme ihre ehemalige Bedeutung als Verteidigungsinstrumente verloren haben, haben die Bewohner sie zu Wohnhaeusern umfunktioniert.

 

Die Wohnhaeuser in Shanghai

Dieser Wohnhaustyp ist ein Phaenomen, das sich in der modernen Industriestadt ueber mehrere Jahrhunderte entwickelt hat. Die ueberwiegend 2-3 geschossigen Wohnhaeuser sind zu Reihenhauszeilen mit engen Grundrissen zusammengefasst. Eine grosse Anzahl aufeinander folgender Zeilen, getrennt durch enge Gassen, fuehrt zu einer extrem hohen Wohndichte. Die in den Hauptweg muendenden Gassen haben teilweise nur die halbe Hoehe der Haeuser. Oft bilden Wohnbruecken eine Verbindung zweier Reihenhauszeilen, mit dem Zweck der intensiveren Ausnutzung des Raumes. Die Wohnhaeuser werden von hohen Umfassungswaenden umgeben, die zusammen mit der Begruenung, unter anderem, dem Schallschutz dienen. Das Eingangstor wird im Innenhof der Wohnhaeuser angeordnet, welcher, getrennt durch eine schmale Wand, jeweils von zwei benachbarten Familien genutzt wird. Das Hinterteil der Haeuser ist gegenueber dem Vorderen niedrig gehalten.


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