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Vorbemerkung: Für eine weltweite SozialordnungEine Weltwirtschaftsordnung, die den Handel zwischen den Nationen berechenbar macht, ist schon lange erreicht. Das GATT-Abkommen bindet die Nationen daran, allen Anbietern ihre Märkte zu öffnen, verbietet Protektionismus und Strafzölle und an etwas, was unter dem Begriff "freier Handel" bekannt ist. Außerdem bietet es weltweite Investitionsfreiheit: jeder Staat soll fremden Firmen ermöglichen, auf dem Staatsgebiet wirtschaftlich tätig zu werden und die dabei gemachten Gewinne nach außen zu transferieren. Walter Michler schreibt dazu in seinem Weißbuch Afrika (Bonn 1991, Hervorhebungen von mir): Für die Staaten der Dritten Welt (ich benutze weiterhin den Begriff "Dritte Welt", um damit eine Reihe von Ländern zu bezeichnen, auf die bestimmte Kriterien der wirtschaftlichen und sozialen Armut zutreffen, ohne sie abqualifizieren zu wollen, etwa in dem ich sie "an dritte Stelle" setzte); für die Staaten der Dritten Welt bedeutet die weltweite Öffnung der Märkte also nicht, daß sie nun an den Vorteilen einer Kooperation teilhaben könnten, sondern vielmehr, daß ihre noch schwache Binnenwirtschaft schutzlos den Eingriffen von außen ausgesetzt ist. Ich sage damit nicht, daß ihnen jene Form des Protektionismus gut täte, der ihnen am Ende eher Schaden als nutzen würde: für den einzelnen Staat der Dritten Welt, der auf seine Kaffee- oder Kupferexporte angewiesen ist, wären Strafzölle, die auf die zu niedrigen Rohstoffpreise aufgeschlagen würden, tödlich: sie würgten die Exportwirtschaft des Landes vollständig ab, und die kurzfristigen Gewinne kämen auch nicht den Arbeitern und Armen zu gute - zu schlecht funktioniert in den meisten Ländern der Dritten Welt das soziale System. Die Restriktion muß von der anderen Seite kommen. Nur die reichen, wirtschaftsstarken Industrienationen sind fähig, diesem Raubbau Grenzen zu ziehen. Zur Zeit haben die G7 (bzw. G8) nur eine unheilige Vorbildfunktion im Ausbeuten anderer Volkswirtschaften. Nur indem sie, die G7, sich selbst in ihren Profitbestrebungen eingrenzen, kann sich die Dritte Welt von jahrzehntelanger Ausbeutung erholen und eigene Wirtschaftskraft aufbauen. Die derzeitigen Verhältnisse sind alles andere als gerecht und das derzeitige Weltwirtschaftssystem ist alles andere als geeignet, das Gefälle zwischen Arm und Reich zu verringern.
Nur wenn sich ein Großteil der Nationen an einen Tisch setzt, und neben den wirtschaftlichen Rechten der Großkonzerne wie Handels- und Investitionsfreiheit ein Konzept der Pflichten der internationalen Wirtschaft beschließt, kann den Ländern der Dritten Welt geholfen werden. Mehrere Schritte sind geeignet, den Ländern der Dritten Welt einen gewinnbringenden Handel mit der industrialisierten Welt zu ermöglichen. Erster Schritt muß die Stärkung der Position der Arbeitnehmer sein. Internationale Gewerkschaften müssen aufgebaut werden, denn nur gemeinsam können die Arbeiter der vielen Kaffeeplantagen und Kupferbergwerke menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Löhne erkämpfen. Ansonsten geht es ihnen wie den Rennfahrern der Tour de France bei Gegenwind: fährt einer vor, ist er plötzlich starkem Gegenwind ausgesetzt, ermüdet und fällt sogar hinter die anderen zurück. Genauso geht es den Arbeitern einer einzelnen Plantage, die bessere Löhne einfordern. Die Plantagen anderer Arbeiter in aller Welt wirken quasi als Streikbrecher - die Weltwirtschaft ist nicht auf eine einzelne Plantage angewiesen, die Plantage auf die Weltwirtschaft dagegen sehr. Nur wenn eine nennenswerte Anzahl an Arbeitern für bessere Bedingungen kämpft, hat sie eine Chance. Damit sich aber Arbeiter in Gewerkschaften zusammenschließen können, müssen sie in vielen Ländern erst gegründet werden. Bislang wehrten sich Arbeitgeber in sehr vielen Teilen der Dritten Welt bisher erfolgreich gegen die Gründung von Gewerkschaften. Es liegt in der Hand der reichen Länder ihre eigene Wirtschaft in der Art unter Druck zu setzen, daß sie selber bei der Stärkung der Arbeitnehmer mitwirken, zum Beispiel mit Strafzöllen für Niedriglohnarbeit. Die Erlöse daraus kämen dann den Arbeitern auf doppelte Weise zugute: erstens als direkte Unterstützung (eine andere Verwendung des Geldes aus den Strafzöllen wäre unethisch) und zum anderen auf längere Sicht eine Hebung des Einkommens. Über die Vergabe dieser Wirtschaftsstrafen würde dann ein internationales Wirtschaftsgericht wachen - ähnlich wie es jetzt schon Wirtschaftsgerichte gibt, die über die Durchsetzung von GATT wachen. Zweitens: Während in unseren Breiten die Institution eines Betriebsrates gesetzlich vorgeschriebene Selbstverständlichkeit ist, können die Arbeiter der Dritten Welt vom Mitspracherecht bei der Produktion nur träumen. Damit die Betriebsräte aber nicht kontraproduktiv wirken, brauchen die Arbeiter Bildung - zur Zeit kann in vielen Ländern der Dritten Welt ein nicht zu verachtender Anteil der Bevölkerung nicht einmal lesen und schreiben, geschweige denn rechnen! Auch hier sind Kontrollmechanismen gefordert, die auf die Konzerne einwirken, daß diese Betriebsräte gründen und ihre Arbeiter bilden. Drittens müssen Staaten der Dritten Welt im Zuge der Teilnahme an der Weltwirtschaft demokratisiert werden. Nur in demokratischen Staaten ist gewährleistet, daß nicht Politik auf Kosten der Massen der Beschäftigten betrieben wird. Als letzter Schritt werden dann behutsam (damit die Wirtschaft der armen Länder nicht überlastet wird) soziale Sicherungssysteme eingeführt und ausgebaut. Eine Stärkung der Arbeiter in den Entwicklungsländern liegt im übrigen auch im Interesse der Arbeiter bei uns - es läßt sich ein einfacher Zusammenhang aufstellen, den ich im folgenden zu belegen versuche: je schlechter es um die Situation der Arbeiter in anderen Ländern gestellt ist, desto stärker verschlechtert sich auch unsere Situation. Unfreiwillig setzen uns Hungerlohnarbeiter in der Dritten Welt unter Druck, auch mit unseren eigenen Löhnen nach unten zu gehen; tun wir es nicht, wandert die Wirtschaft ab, um in Billiglohnländern produzieren zu lassen: "Wenn sich der 'Standort Deutschland' für uns nicht mehr rentiert, dann müssen wir leider gehen" ist die ständige Drohung, der Wirtschaft an die Bevölkerung und Regierung. Und tatsächlich haben auch die einzelnen Konzerne nicht die Möglichkeit, sich diesem Mechanismus zu widersetzen: weil der Staat sie nicht vor anderen Konzernen, deren Arbeiter weniger Geld verlangen, schützen kann - Protektionismus ist eine Illusion - sind auch sie gezwungen, mit der Konkurrenz mitzuziehen. Am Ende sieht es also so aus: nur wenn neben der schon existierenden Wirtschaftsordnung einer freien Weltwirtschaft eine weltweite Sozialordnung etabliert wird, können sowohl die reichen Nationen als auch die Entwicklungsländer dem Druck der Globalisierung entrinnen und für alle erträgliche Verhältnisse schaffen! Denn dem Import von Armut aus der Dritten Welt können wir uns nicht entziehen, wir können nur versuchen, wirkungsvoll dagegen anzugehen, in dem wir soziale Kompetenz exportieren, und weil soziale Gedanken von einer unsozialen Umgebung meist bekämpft werden, müssen sie von ausreichenden Druck begleitet werden. Rückzieher zum Index oder zu den Zusammenfassungen . |
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