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Mittwoch, der 16.12.98

Gerechtigkeit

A, B und C waren gemeinsam auf eine kleine Insel verschlagen worden. Unter Aufwand all ihrer körperlichen und geistigen Kräfte hatten sie es geschafft, sie zu kultivieren und vom kläglichen Ertrag einer kleinen Landwirtschaft ihr Leben zu unterhalten. Nun kam es dazu, daß B - unter Einfluß von nicht unerheblichen Mengen gegorenen Palmsafts - mit C in einen Streit geriet. Als der Streit seinen Höhepunkt erreicht hatte, erschlug B C mit einem schweren Stein.
Am nächsten Tag bereute B die Tat sehr, beriet sich mit A, was zu tun sei. A meinte "Strafe muß sein" und B (beide waren aus guten Familien) mußte ihm zustimmen. Gemeinsam begannen sie in einer nicht zu beschreibenen Hochstimmung mit dem Strafverfahren: sie hielten Gericht, sprachen ein Todesurteil aus, bauten einen Galgen und B stellte sich auf einen kleinen Holzklotz. Ihre Zweifel waren nicht klein, aber A sagte "Strafe muß sein" und B mußte ihm zustimmen. A vollzug also die Strafe und trat den Schemel beiseite, was B sofort das Leben kostete.
Das kleine Landgut, was die drei auf ihrer Insel aufgebaut hatten, war aber für drei schon schwer zu bewirtschaften; für einen einzelnen Menschen war es an der Grenze seiner Leistungsfähigkeiten. So war es kein Wunder, daß A ob der schweren Arbeit dahinsiechte, je schwächer er wurde, desto schwerer fiel ihm die Unmenge der Arbeit. Zunächst ließ er einzelne Tätigkeiten aus, später verwahrloste er vollends. Zum Schluß lebte er wie ein Tier. Von Zeit zu Zeit gab er noch ein Stammeln von sich, und nur wer seine Vergangenheit kannte, konnte verstehen, was er da zur eigenen Beruhigung sagte: "Strafe mußte sein."

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