Versuch einer Religionstheorie, die darauf aufbaut, daß Grundzüge der Evolution auf Religionen zutreffen.Nachdem ich diese Theorie ausgearbeitet und Bekannten gezeigt hatte, wurde mir gesagt, daß meine Idee nicht ganz neu ist. Ähnliches wurde in einer Theorie über "memes" (das Wort ist eine Synthese der Wörter "memory" und "gene" von Dawkins auch dargelegt. Dennoch habe ich bis jetzt keine Arbeit gesehen, die die "Memetik" direkt auf eine spezielle Religionen anwendet, deshalb hier ein "Memogramm" der Monotheistischen Weltreligionen, insbesondere des Christentums. Fast jeder, selbst viele der hartgesottesten Christen, hat heutzutage eingesehen, daß das Leben auf der Erde augenscheinlich der Evolution unterworfen ist, daß die Entwicklung der verschiedenen Arten durch zufällige Mutationen hervorgerufen wird, die ein Individuum besser an seine Umwelt anpassen und dann durch natürliche Auslese gegenüber anderen genetische Codes, übertragen von anderen Indivduen, durchsetzen wird. Jedoch gibt es weit mehr Dinge, die auch einer natürlichen Auslese unterliegen - eine Fabrik, die sich nicht rentiert, wird geschlossen, ein Konzern, der schlecht organisiert ist, geht Konkurs und eine Computermarke, die nicht genügend Anwender findet und inkompatibel zur verbreitesten Marke ist, wird "aussterben". Dies alles verwundert kaum, doch gibt noch etwas, das einer natürlichen Auslese unterliegt, was enorme Konsequenzen nach sich ziehen muß. Ich spreche von der Religion; und sage: sie unterliegt ebenso, wie der Konzern, die Computermarke und die Tierart, einer natürlichen Auslese. Das bedeutet, eine Religion verbreitet sich nicht über den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen über einen Gott oder eine Weltanschauung, sondern darüber, wie sehr die Aussagen die Religiösen dazu aufforden und sich dazu eignen, diese Aussagen weiter zu verbreiten. Viel spricht dafür, und damit bin ich auch mit vielen Theologen einig, daß es keinen Gott gibt, der auf dieser Erde auch nur einen Finger rührt, um irgendetwas seiner Ansicht nach Gutes und Positives zu fördern, noch nicht mal die Religion seiner Gläubigen, vielmehr unterliegen auch Religionen und ihre Anhänger den Gegebenheiten ihrer Umwelt. Für mich führt diese Feststellung zu einem schlichten Nichtvorhandensein Gottes, jedoch die, die am Glauben an Gott festhalten, müssen sich die Konsequenzen überdenken, die eine natürliche Auslese unter Religionen für ihre Religion haben muß: Eine Religion verbreitet sich in Wirklichkeit nicht über den Wert ihrer Aussagen für den Menschen, sondern über die Möglichkeiten ihrer Verbreitung. Warum eine Religion, die sich unter den Menschen verbreitet, nicht auch unbedingt wahr sein muß, will ich im folgenden abhandeln. Die Verbreitung von Religionen muß zwangsläufig über zwei Schienen ablaufen, erstens die Vermehrung der Population der bereits Gläubigen und zweitens die Mission Anders- und Nichtgläubiger. Im alten Testament ist die Vermehrung der Gläubigen sogar ausdrücklich von Gott
gefordert worden: "Gehet und mehret euch wie Sand am Meer". Grundbedingung
dafür ist selbstverständlich, daß die nächste Generation den Glauben der alten
übernimmt. Daß dies ursprünglich in praktisch allen Fällen so war, kann als erwiesen
gelten. Das Christentum hat eine eigene Institutionen entwickelt, die eine Abkehr von
der Mutterreligion so unwahrscheinlich als möglich machen: An erster Stelle die
Kindertaufe, mit der das noch meinungs- und wehrlose Baby in die Gemeinde der
Gläubigen aufgenommen wird, darauf folgend (unterschiedlich in den Konfessionen)
Kommunion, Firmung bzw. Konfirmation, dann die kirchliche Trauung und am Ende
des Lebens die letzte Ölung und das Grab auf dem kirchlichen Friedhof und daß nur
unter all diesen Bedingungen ein Weiterleben nach dem Tode anstatt der drohenden
Höllenqualen möglich sei.
Man sieht, die Kirche begleitet den (noch nicht) Gläubigen von der Geburt bis zum
Tode. Die zweite Schiene ist die Mission Anders- und Nichtgläubiger. Sie läßt sich grob in
zwei Methoden unterteilen, die erste verwendet Gewalt, die zweite alles andere. Daß
eine Religion, die ihre Botschaft mit Gewalt verbreitet (und so tat es das Christentum,
und tut es teilweise noch heute), nicht unbedingt eine dem Menschen dienliche
Aussage verbreiten muß, muß man wohl eingestehen: Daß jemand bereit ist, seine
Meinung mit Gewalt anderen Menschen aufzuzwingen, sagt nichts Gutes über die
Qualität seiner Meinung aus, viel eher das Gegenteil! Man sieht, jeder neue Gläubige, der nicht durch den Inhalt einer Relgion, sondern
durch andere Umstände zu ihr übergetreten ist, ist ein Fall einer Relgionsvermehrung,
die VOLLKOMMEN darwinistischen Gesetzen unterlag: Die Ausbreitung der Religion
des tüchtigeren Überzeugers, der dazu Krieg, Gewalt und technologische
Überlegenheit einsetzte. Zusammenfassung des bisher Ausgeführten:Da der Gott der Christen nicht aktiv für die Verbreitung seiner Religion eintritt, muß
davon ausgegangen werden, daß sich das Christentum (wie auch alle anderen
Religionen) auf den Wegen der Mission Ungläubiger und der Vermehrung der
Population ausgebreitet hat. KonsequenzenSteht nun die Verbreitung einer Religion im Zusammenhang mit ihrer Attraktivität, so
muß jede Veränderung der Relgion, die eine höhere Attraktivität bedeutet, sich im
Kampf der Religionen letztendlich durchsetzen. Nun gab es Meinungsverschiedenheiten nicht erst im Mittelalter - nein, direkt nach dem Tode Jesu muß es vielen Streit unter der kleinen Gruppe der Christen gegeben haben, wie die Fragmente, die von seinen Reden vorhanden waren, gedeutet, gewichtet und gewertet werden sollten. Auch hier wird sich die Interpretation, die Auswahl der Schriften, sogar viele Dinge, die Jesus nie gesagt hat, durchgesetzt haben, weil sie die stärkere Attraktion auf die Menschen ausübten. Dabei muß die Deutung, die im Sinne Jesus die richtige gewesen ist, schnell verschwunden sein, so sie nicht gleichzeitig die attraktivste gewesen ist. Somit ist jede Grundlage einer christlichen Religion abhanden gekommen sein, die Christen müssen sich darüber im klaren sein, daß sie nicht glauben, was ihr Religionsstifter gewollt hat (und darum müßte es ihnen gehen, auf andere Weise hätte ihre Religion überhaupt keine Sinn), sondern, daß, was sich auf lange Zeit durchgesetzt hat, weil es das attraktivste gewesen ist! So muß man von einer verlorenen Religion sprechen - die ursprünglichen Inhalte sind also verlorengegangen, und der Christ dieser Zeit muß sich fragen, ob er überhaupt noch verantworten kann, daß zu glauben, was sich bis heute durchgesetzt hat. Sollte er nicht vollständig auf jede Form unsicheren Glaubens verzichten und nicht eher nach seinem eigenen Gewissen und Überlegungen handeln, als einfach das zu übernehmen, was die Mehrheit der Christen aus Gründen der Attraktivität für richtig hält und uns bis heute als das Neue Testament überliefert ist? Rückzieher zum Inhalt oder zur Zusammenfassung |
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