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Rückzieher zum Index oder zu den Zusammenfassungen . Besorgniserregende ÜberlegungenStein des AnstoßesVor nicht allzulanger Zeit entdeckte ich im Buch "Sterntagebücher" von einem meiner Lieblingsautoren - Stanislaw Lem - eine interessante Geschichte. Sie handelt - kurz zusammengefaßt - von einem katholischen Missionar im Weltenraum, auf der Suche nach fremden Spezies, denen die "Frohe Botschaft" überbracht werden könnte. Er trifft auf seiner Reise auf einen Planeten, der von Geschöpfen bewohnt wird, die keinen Eigennutz kennen, sondern nur altruistisch handeln können. Er erzählt ihnen von Jesus, wie er für uns Menschen gestorben ist und damit allen die Möglichkeit gibt, das ewige Leben zu erreichen. Er erzählt auch, daß, wenn ein Missionar des Christentums bei der Verbreitung des Glaubens umkommt, er ein Märtyrer ist und auch in den Himmel kommt. Den Himmel schildert er den Geschöpfen in den blühendsten Farben, und er predigt, daß es im Himmel unendliches Glück gebe. Die altruistischen Wesen fragen ihn, ob er wirklich sicher sei, daß alles so stimmt, wie er das erzählt; und er bejaht. Sie beraten sich kurz und entschließen dann, den Missionar ans Kreuz zu Nageln wie seinen Heiland, damit auch er in den Himmel komme. Der Missionar kriegt es mit der Angst zu tun und erinnert sie daran, daß sie in die Hölle kommen werden, wenn sie ihn töten; aber die vollkommen altruistischen Wesen denken sich: "Was ist schon unser Leid in der Hölle, gegen das Glück, daß wir dir bereiten!" und kreuzigen ihn an Ort und Stelle. ÜbertragungSo mag die Geschichte ganz lustig erscheinen, aber wenn man dieselbe Situation auf die Erde überträgt, bekommt sie eine - sagen wir - gewisse Brisanz: Auch hier könnte jemand auf die Idee kommen, einen Christen zu töten, um ihm das Himmelreich zu bescheren - und als eigenes Risiko die Hölle in Kauf nehmen. Und das wirklich besorgniseregende an der Situation ist: nach den Maßstäben des Christentums handelt er richtig; es läßt sich ihm zumindest nicht, sofern man innerhalb der christlichen Lehre bleibt, nachweisen, daß er den Menschen, die er tötet, Unheil antut - sie kommen ins Himmelreich, nur er selbst muß die Folgen der Tat tragen. DilemmataZum Glück, denkt man sich nun, enthält Lems Geschichte einen Fehler: ein Altruist wird niemanden gegen seinen Willen zum "Glück" führen. Allerdings hat dieser Haken einen Haken: Was heißt hier gegen seinen Willen? Denn selbst wenn es wollte - das Opfer dürfte das Morden nicht tolerieren. Nach allgemeine akzeptierter Lesart der Heiligen Schrift ist Selbstmord eine Sünde. Also wird jemand, der einen Mord an sich selbst bewußt zuläßt - ein Selbstmörder im übertragenen Sinne - nie das Himmelsreich erreichen, daß er sich mit seiner Morderlaubnis erhoffte. Weil also das Opfer nicht die Möglichkeit hat, daß zu tun, was es eigentlich wollte - nämlich in den Himmel zu kommen - könnte ein Psychopath sich denken, "helf ich ihm doch". Und wo das endet, haben wir oben durchgedacht. Benthams ProblemSelbst Utilitaristen kämen in Bedrängnis - im Utilitarismus von Bentham steht das eigene Wohl nicht im Fordergrund sondern "das größte Glück der größten Zahl". Sie müßten sich also fragen (angenommen, "es sind 5 Christen zu Hand"): "Wiegt einmal unendliches Leid (mein eigenes) fünfmal unendliches Glück (das der Christen) auf. Ich denke doch!" Man könnte sich herausreden - es gäbe eine Situation in der 6mal unendliches Glück und kein Leid herausspringe: indem der Utilitarist Christ wird. Aber was ist, wenn er schon einen Mord begangen hat: dann, so könnte er denken, nehme ich auch die anderen Morde auf meine Kappe - schaden tut's mir nicht mehr - in die Hölle komme ich ohnehin. Meine LösungDie einfachste - und vielleicht naheliegenste Lösung des Dilemmas wäre, daß die Prämissen falsch sind: kein Gott, kein ewiges Leben, kein Himmel und keine Hölle, kein Problem...Rückzieher zum Index oder zu den Zusammenfassungen . |
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