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Wrights organische Architektur und Tao Fachgebiet: Theorie, Geschichte und Kritik der Architektur Chih-Hsing Shen and M. Eray Oezkan Inhaltsverzeichnis Vorwort 2 Die Idee der organischen Architektur Eigenschaften organischer Architektur 3 - 4 Wright zum Thema organisch 4 Wrights organische Architektur aus der Perspektive des Tao Was ist Tao 5 Natur und Menschen sind Eins 5 - 7 Abstraktion 8 - 9 Humanistische Gedanken 10 - 11 Yin-Yang - Theorie 12 - 15 Die Analyse der Werke Wrights Offenheit der Grundrisse 16 Veranda 17 Freistehendes Einfamilienhaus 18 Der menschliche Massstab 19 Beispiele: Unity Temple 20 - 22 Fallingwater 23 - 26 Solar Hemicycle 27 - 29 Epilog 30 - 31 Literaturverzeichnis 32 Vorwort Wenn man sich mit organischer Architektur beschaeftigt ist die Auseinandersetzung mit Frank Lloyd Wright, der sich das organische Bauen zur Lebensaufgabe machte, ein wesentlicher Bestandteil dessen. Seine Bauwerke, Buecher, Vortraege und Gespraeche erlaeutern und verdeutlichen seine Auffassung von organischer Architektur. Als Wright auf Tao stiess, stellte er fest, dass der zentrale Gedanke der organischen Architektur von Laotse, Gruender des Taos, fuenfhundert Jahre vor Jesus sehr deutlich ausgesprochen wurde. Taoismus und Buddhismus haben seit ueber zweitausend Jahren parallel die fernoestliche Kultur tief beeinflusst. Der spaeter entstandene Zen-Buddhismus ist eine Synthese beider und sieht sich als die Essenz des Buddhismus. Sein Interesse fuer die praktische Ausuebung statt der philosophischen Vertiefung, verdeutlicht insbesondere seine taoistischen Merkmale. Wir haben daher Aspekte der Zen-Literatur, die sich mit dem Taoismus decken, auch in unserem Essay verwendet. Tao und die organische Architektur Wrights als Thema zu bearbeiten entstand aus dem Interesse fuer eine ungebundene, die allgemeinen Verstrickungen ueberwindende Lebensweise in Bezug, zu einer moeglicherweise die Richtungsdogmen und Architekturmoden ueberwindende Architektur, die sich mit der Gegebenheit Ort und den unmittelbaren Beduerfnissen der Menschen auseinandersetzt. ¡@ Die Idee der organischen Architektur Die organische Architektur enthaelt das Prinzip der Flexibilitaet. Sie versteht sich als Integration in den Ort. Nachahmung und Imitation werden von ihr als Methode abgelehnt, da die Einzigartigkeit jedes Ortes eine Auseinandersetzung mit jedem Ort im Einzelnen erfordert, die zu einzigartigen Loesungen fuehren. Das Gebaeude schafft eine starke Beziehung zum Boden und zur Landschaft, es beinhaltet die Materialien des Ortes oder zumindest die, die dem Ortscharakter entsprechen. Die Kreativitaet des Architekten und die Inspiration durch den Ort fuehren zu den organischen Formen, die nicht als Nachahmung der Naturformen zu verstehen sind. Was Wright das Organische nennt ist daher nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Organhaften bei Haering. Die Variabilitaet der organischen Architektur machen den Versuch einer Definition ueber ihre Erscheinungsformen absurd. ¡@ ¡@ Eigenschaften organischer Architektur Eine humanistische Idee Die organische Architektur orientiert sich am Massstab der Menschen. Ihre Beduerfnisse werden zum zentralen Prinzip des Entwurfs. Sie versucht Menschen aus ihren beengten Verhaeltnissen zu befreien, indem fuer jeden Menschen ein angemessener Lebensraum gefordert wird. Mit Hilfe der modernen Technik, die die Vernetzung und Kommunikation ueber grosse Entfernungen ermoeglicht, soll ein gehobenes Raum- und Lebensgefuehl verwirklicht werden. Die organische Idee soll dem Menschen ermoeglichen, Vertrauen in das Leben und in die eigene Natur zu finden. ¡@ Form und Funktion sind eins „Die Form folgt der Funktion¡§ wird von den Funktionalisten Haering und Greenough gefordert. Es gibt eine starke Beziehung zwischen Form und Funktion. Wright versucht die Dualitaet zwischen hier Form und dort Funktion mit der Forderung „Form und Funktion sind eins¡§ zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen. Organisch ist eine Architektur, welche diese Beziehung anerkennt und in die Mitte der Arbeit stellt. ¡@ Eine umweltanpassende AEsthetik Organische Architektur entsteht als Integration in den Ort, die die Ortsgegebenheiten als wichtige Bedingung im Entwurf beruecksichtigt. Sie drueckt sich bei Wright insbesondere in dem Gefuehl fuer die Natur aus. Seine Bauten erwachsen aus tief gegruendetem menschlichen Beduerfnis und fuegen sich organisch, in die sie umgebende Natur, ein. ¡@ ¡@ Wright zum Thema organisch Das Wort organisch bezeichnet in der Architektur nicht lediglich das, was in einem Fleischladen haengen kann, auf zwei Fuessen herumgeht oder auf einem Feld angebaut wird. Das Wort organisch bezieht sich aufs Wesen; vielleicht waere es besser, das Wort integrierend oder wesentlich zu benutzen. Wie es urspruenglich in der Architektur verwendet wurde, bedeutet organisch: Der Teil verhaelt sich zum Ganzen, wie sich das Ganze zum Teil verhaelt. Wesen als Integrierendes ist deshalb das, was das Wort organisch wirklich heisst. Wesentlich. Organische Architektur - ist eine natuerliche Natur - die Architektur der Natur fuer die Natur. ¡@ ¡@ Wrights organische Architektur aus der Perspektive des Taoismus Was ist Tao ? Es gibt ein Verschwommenes und Ununterscheidbares Das Himmel und Erde vorausgeht. So unterschiedslos! So verschwommen! Doch in ihm ist Gestalt. So dunkel! So verworren! Ruhig, aber immerzu waltend. Es tut nichts, und dadurch bleibt nichts ungetan. Auf das Vollbrachte legt es keinen Wert. Es liebt und naehret alle Dinge und spielt doch nicht den Herren ueber sie. Ich kenne seinen Namen nicht. Ich nenne es Tao Laotse Das Wort Tao beinhaltet verschiedene Bedeutungen, wie z.B. Gott, Natur, das Absolute, das, wodurch alle Dinge entstehen, die grosse Leere, der Sinn. Es kann das gewoehnliche Bewusstsein, ein Naturgesetz oder der Makrokosmos sein. Es ist vage, formlos und flexibel. Das Wesen des Tao entzieht sich aufgrund seines unbegrenzten Inhalts einer Definition. Es kann weder durch den Verstand noch durch die Vernunft erfasst werden. In den naechsten vier Abschnitten werden wir Wrights organische Architektur mit einigen Aspekten des Taos vergleichen und versuchen die Gemeinsamkeiten beider herauszustellen: ¡@ ¡@ Natur und Mensch sind Eins Tao ist das allumfassende grosse Universum, die alles beinhaltende Leere aus dem alles kommt und in den alles geht. Der Mensch ist ein Bestandteil dieser grossen Leere, daher nimmt er im Taoismus keine uebergeordnete Stellung ein. Aus taoistischer Sicht folgen die Dinge einer unsichtbaren inneren Disziplin. Der Taoist empfindet ein tiefes Vertrauen in die eigene Natur: Was aus der natuerlichen Reaktion der Menschen herruehrt wird nicht falsch sein. Der Verstand ermoeglicht dem Menschen sich seines eigenen Ichs bewusst zu werden, sich von der Natur gesondert zu betrachten. Diese Unterscheidung ist das Werk des Intellekts, der seinen Platz im praktischen Leben hat und ohne den der Mensch nicht auskommen kann. Ein Eindringen in den geistigen Bereich aber bleibt ihm vorenthalten, da sich das Wesen des Taos mit den Mitteln der Logik nicht erfassen laesst. Die Verselbstaendigung des Intellekts fuehrt zu einer egozentrischen Sichtweise, welcher bemueht ist, die Umwelt den egoistischen Vorstellungen entsprechend zu veraendern. Der „Ich¡§ bezogene Mensch versucht die Natur seinen Moeglichkeiten entsprechend zu bezwingen, zu erobern und zu unterwerfen, da er sie fuerchtet. Der Taoist bemueht sich sein Leben in Harmonie mit der Natur zu fuehren, indem er es annimmt. Er versucht sich von seiner dualistischen Sichtweise zu befreien, indem er sich, seiner von der Vernunft auferlegten Beschraenkungen, entledigt. Selbstvergessenes, ichloses Handeln stellt den erleuchteten Zustand als „hoechste Stufe¡§ des Lebens dar, bei dem der Mensch eins wird mit der Natur und das grosse Universum sich seinem kleinen oeffnet. Der taoistische Mensch durchlaeuft in seinem Leben bis zur Erleuchtung drei Zustaende: Der erste Zustand entspricht dem Neugeborenen, der sich seiner Selbst nicht bewusst ist. Im Taoismus wird dieser Zustand als „primaerer Naturzustand¡§ bezeichnet. In der zweiten Phase entfaltet sich das Bewusstsein. Der Mensch ist bemueht sein Wissen anzuhaeufen und seine technischen Faehigkeiten zu perfektionieren. Er befindet sich im „Gelehrtenzustand¡§. In der dritten Phase ueberschreitet der Mensch seine technischen Faehigkeiten, so dass das Koennen zu einem „nichtgekonnten¡§ Koennen wird, das aus dem Unbewussten erwaechst. Dieser Zustand der Unbewusstheit wird aber nur erreicht, wenn er von seinem Selbst vollkommen frei ist, wenn er eins ist mit der Vollkommenheit. Der letzte Zustand entspricht dem „wiedererlangten Naturzustand¡§ des Erweckten. Obwohl der Mensch seine Kindlichkeit zurueckgewinnt, betont der Taoist den wesentlichen Unterschied zum „primaeren Zustand¡§. ¡@ ¡@ Die Charakterisierung der Natur durch Wright: Natur bedeutet nicht einfach „draussen im Freien¡§, Wolken, Baeume, das Gelaende und das Leben der Tiere, sondern bezieht sich auf ihre Natur wie auf die Natur von Baustoffen oder die „Natur¡§ eines Plans, eines Gefuehls oder eines Werkzeugs. Auf einen Menschen oder alles, was ihn betrifft - von innen her. Die innere Natur. Das innewohnende Prinzip. Wright Hier wird die AEhnlichkeit zwischen Wright und Laotse im Bezug auf die Natur deutlich, wenn man das „innewohnende Prinzip¡§ mit Laotses „ich kenne seinen Namen nicht - ich nenne es Tao¡§ vergleicht. Sowohl Wright, als auch Laotse verstehen unter dem Begriff Natur nicht bloss das Sichtbare in ihr, sondern mehr die unergruendbare Kraft, die aus ihr kommt. Wright liebte diese Natur in seiner ganzen Mannigfaltigkeit und seiner eigenen Wirklichkeit. Seine Werke spiegeln deutlich seinen Respekt und sein Wunsch nach Harmonie mit ihr wider. Auch das starke Vertrauen in die Prinzipien der Natur zeigt deutliche Parallelen. Daher wundert es nicht, dass bei beiden „Natur und Mensch sind Eins¡§ als hoechste Stufe angesehen werden. Dieser Gedanke wird in Wrights Architektur in der Thematik „organischer Einheit¡§ klar reflektiert: ¡@ So werden Umgebung und Gebaeude eins: Das Aussen ins Gebaeude kommt und das Innen hinausgeht. Garten und Haus koennen jetzt eins Sein. In jeder guten organischen Konstruktion ist es schwer zu sagen, wo das Haus beginnt oder endet und der Garten beginnt. Wright ¡@ ¡@ Abstraktion [...] Unter „Abstraktion¡§ verstehe ich das innerste Wesen einer Sache - jedweder Sache -, ihr Muster, als die Substanz der Wirklichkeit. Von zufaelligen Ergebnissen abgesehen, wuerde der Kern eines Gegenstandes im Fortlassen alles unwesentlichen liegen, wenn dieses gut ausgefuehrt und die Natur getreu wiedergegeben, von dem wahren Kuenstler in Modellen ausgedrueckt wird: die lineare und raeumliche Bedeutung der inneren Wirklichkeit - das ist es, was in Form zu bringen ist. [...] Unsere Sitten und Gebraeuche sind alle derartige Abstraktionen oder sollten es wenigstens sein; und als solches entsprechen sie der grossen Abstraktion, die wir Zivilisation nennen. [...] Echte menschliche Abstraktionen werden gewoehnlich zu Ritualen. Die einmal gebildete urspruengliche Abstraktion wird, obwohl das Ritual veralten kann, vom Menschen liebevoll gehegt, weil die Rituale das ueberlieferten, was seine Art einst schoen zum Sehen, Fuehlen, Hoeren oder Denken hielt. Dieses Festhalten am Begrifflichen als Schoenem geht so weit, dass heute nur wenige Lebende in jenen Abstraktionen -toten Kulturen- das erkennen koennen, was sie wesentlich von den noch lebendigen unterscheidet. Der Begriff „Geschmack¡§ verwirrt sie immer noch, verworren wie er ist im grossen Urwald des fruehen Abstrakten. Der heimatlose oder kaeufliche „Geschmack¡§ hat in den unendlichen Weiten des Abstrakten die Richtung verloren. Darum brauchen wir den Propheten, auf dass er immer neue, vom Zufall befreite Bestimmungen fuer das Leben in groesserer UEbereinstimmung mit dem ewigen Gesetz der Wandlung bilde. [...] [...] Aber niemals sollten wir uns heutzutage in die Fesseln und Fallen eines Stiles verstricken. Bestimmt nicht, wenn es dem natuerlichen Bauen freisteht, mit dem fabelhaften Ruestzeug von innen heraus zu leben. Schon die Idee ist vital und faszinierend. [...] Wright Das Tao ist formlos und vage Es ist verbogen, geheimnisvoll und dunkel Es ist der Ursprung aller Dinge (Laotse) Weil es der Ursprung aller Dinge ist, kann das Tao keine bestimmte Form haben. Das Tao ist kein festes Dogma, sondern eine unsichtbare Naturkraft: Ohne Form ist die Quelle aller Formen Wright versuchte das Anhaften seiner Zivilisation an veralten Ritualen durch neue Abstraktionen zu ersetzen. Diese Abstraktionen haben ihr Grundprinzip im Gesetz der staendigen Wandlung von allem. Die Faehigkeit, die Abstraktionen hervorzubringen, wurde auch bei Wright durch ein starkes Vertrauen in die eigene Natur begruendet. Auch seine Betonung des „Hier und Jetzt¡§ fuer eine moderne Architektur weist Parallelen zum Taoismus auf, beim dem eine Existenz ausserhalb der absoluten Gegenwart nicht bestehen kann. Die Abstraktion ist keine Nachahmung der traditionellen Stile oder keine bestimmte Form der Natur, sondern das Gefuehl nach innerer Wirklichkeit. Wright bediente sich der Abstraktion, um die Formen und vorherrschenden Rhythmen der Landschaften echohaft wiederzugeben. Er wollte eins sein mit der Natur, waehrend er zugleich abstrakte Plattformen und plastische Massen dagegen abgrenzte und aufbaute, die die Formen der Natur mit den Mitteln menschlicher Geometrie verbindete. Wright’s „Abstraktion¡§ weist eine gewisse AEhnlichkeit zu Laotse’s „ohne Form¡§ auf. Beide charakterisieren Form durch Flexibilitaet, Abwechslungsreichtum und Unendlichkeit. ¡@ ¡@ Wrights vordringliches Interesse war abstrakt. Er versuchte die Abstraktion im Raum erstens als rhythmisch - geometrische Gebilde darzustellen und zweitens wuenschte Wright den so geschaffenen Hohlraum derart zu umschliessen, dass er oder seine Wirkung auch nach aussen durch die plastische Gliederung des Baukoerpers in seinen Gesamtheit dargestellt wurde. Vincent Scully Jr. Humanistische Gedanken Humanitaet ist ein Grundsatz, der durch saemtliche Werke Wrights hindurch konstant bestehen bleibt. Wo immer der Mensch in Relation zu Wrights Bauten gesetzt wird, steht er deutlich erkennbar im Zentrum. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Gedanken befasste sich daher mit der menschlichen Psyche und dem menschlichen Massstab. Im Tao haben wir keine direkte Benennung der Humanitaet gefunden und sie nimmt auch keine zentrale Stellung ein, aber Laotses Gedanken beinhalten sie auf ganz natuerliche Weise. ¡@ ¡@ Wenn wir jetzt fuer einen Augenblick zu dem zentralen Gedanken der organischen Natur zurueckgehen wollen, so war es Laotse, fuenfhundert Jahre vor Jesus, der, soweit ich weiss, als erster erklaerte, dass die Realitaet des Gebaeudes nicht in den vier Waenden und dem Dach bestehe, sondern dem Innenraum innewohne, dem Raum, in dem man lebt. Wright ¡@ In einigen Werken Wrights ist die Ausgewogenheit in den Proportionen, die kraftvolle Verwendung der Materialien, die Integritaet mit der Landschaft besonders deutlich spuerbar. Die Behaglichkeit (die wir leider nur aus den Abbildungen entnehmen koennen) ist Ausdruck der harmonischen Einheit oben erwaehnter Entwurfskriterien. Wright besass ein starkes Gefuehl fuer die Eigenart eines jeden Materials: er verwendete sie oft unbehandelt, naturbelassen, massiv und ihrem Wesen entsprechend an. Licht war fuer ihn ebenfalls ein Material der Architektur. Wright benutzte die Materialien so, dass sie die menschlichen Sinne in harmonischer Art und Weise ansprechen. Das Bauwerk beruehrt nahezu alle Sinne des Bewohners, dadurch wird es fuer ihn erlebbar. Bei Wrights Bauweise bewegt sich der Mensch um einen bereits vorhandenen Mittelpunkt. Seine Architektur besitzt keinen sich feindlich gegen die Aussenwelt verschliessenden Charakter, sondern ist in freigiebiger Weise raeumlich ausgreifend und plastisch. Darum uebertreibt der Ausdruck der neuen Freiheit nicht, sondern befreit wirklich das Selbstbewusstsein des Menschen als Mensch. Durch die Benutzung natuerlicher Materialien, versucht er seine Architektur in Einklang mit der architektonisch organischen Einheit und in Harmonie mit der Natur zu bringen. Eine Voraussetzung fuer die inhaltliche Einheit, nach Wright, ist das Hervorgehen der Schoepfung aus der Meisterschaft eines Geistes. Die Beteiligung von Experten und Spezialisten im Entwurfsprozess ist fuer ihn gleichbedeutend mit der Zergliederung der Architektur und dem Verlust des Inhalts und der Ganzheit. Wright’s Gedanken druecken sich in der Schlichtheit seiner Architektur aus, die sich auf die Moeglichkeiten des Architekten beschraenkt. Hier kommt der humanistische Aspekt im Schaffungsprozess zur Geltung, der die Einheit seiner Werke bedingt. Die Maschine wird von der organischen Architektur nur als Werkzeug fuer groessere Freiheit akzeptiert. Organische Architektur entsteht nach Wright durch Inspiration. Daher kann man seine Neigung, die organische Architektur in die Landschaft einzufuegen, gut nachvollziehen. Sie bietet gegenueber der ueberladenen Stadt die Harmonie und Vielfalt der Natur. Seine Werke in der Natur erfuellen den humanistischen Anspruch, nach angemessenem Lebens- und Entfaltungsraum. ¡@ YIN-YANG - Theorie YIN: das weibliche oder negative Prinzip in der Natur (passiv, dunkel, absteigend, die Erde) YANG: das maennliche oder positive Prinzip in der Natur (aktiv, hell, aufsteigend, der Himmel) ¡@ Die vereinfachte Yin - Yang Philosophie: Alle Erscheinungsformen dieser Welt entstehen durch das Zusammenfliessen beider Kraefte - Gegensaetze schliessen sich nicht aus, sondern verbinden sich zu einer Einheit, die ueber beiden Energien steht. Yin und Yang sind zwar Gegensaetze, doch sie bedingen sich gegenseitig, so dass keines von beiden ohne den anderen existieren kann. Ihre Beziehung zueinander ist daher nicht dualistischer Art. Das Tao geht davon aus, dass alle Dinge sich staendig veraendern - im Fluss sind. Ein Grundgesetz der Schoepfung ist, dass es nichts Bestaendiges ausser dem Wandel gibt. So wandelt sich der Morgen zum Mittag, dieser in den Abend und jener in die Nacht. Die Jahreszeiten durchlaufen den Kreislauf von Fruehjahr, Sommer, Herbst und Winter. Alles Lebendige wird alt und stirbt, dafuer wird Neues geboren. Das Leben durchlaeuft die vier Phasen, des Geborenwerdens, der Entwicklung, der Reife und des Sterbens. Der Tod bedeutet aber nicht das Verschwinden aus dem Leben, da das Gestorbene im ewigen Naturkreislauf wieder eingebunden wird. Yin und Yang sind in diesen Phasen stets als zunehmende bzw. abnehmende Kraefte gegenwaertig. Um in Harmonie zu leben, ist es gut, die gegenwaertigen Energieverteilungen - das Verhaeltnis von Yin und Yang - zu kennen und sein Leben im natuerlichen Fluss der Dinge zu leben. ¡@ Das YIN-YANG - Symbol: Yin und Yang sind zwar Gegensaetze, doch sie beinhalten ein Teil vom anderen. Die Kurve zwischen Yin und Yang deutet auf ihre Beziehung als unendliche Umdrehung und Umschliessung. ¡@ Yin - Yang bezogen auf die Architektur: Ein harmonischer Zustand liegt beim Taoismus vor, wenn sich die Gegensaetze Yin und Yang im Gleichgewicht befinden. In Wrights Werken ist die Auseinandersetzung mit dem Gedanken, des positiven und negativen Raumes stark, vertreten. Er sah seine Architektur in der Wechselwirkung mit der Umgebung entstehen und versuchte beide in Einklang zu bringen. Architektur, die sich lediglich auf das Gebaeude konzentriert und das Umgebende ignoriert, bezeichnete Wright als inhalts- und orientierungslos. Wie beim Tao geht es auch in Wrights Architektur um die grossen Zusammenhaenge. Er verfiel nicht der kleinkarierten und beschraenkten Sichtweise, die sich nicht ueber die eigenen vier Waende erheben kann, sondern behielt die UEbersicht, damit sich das Zugefuegte zum Vorhandenen harmonisch verhielte. Intellektualismus konnte, aus der Sicht Wrights, keine organische Architektur hervorbringen, denn sie muesse aus dem Licht des Geistes hervorgehen, also aus einem transzendentalen Schaffungsprozess entstehen. Das Bestreben Wrights nach harmonischer Einheit zwischen Landschaft und Bauwerk, setzte sich im Inneren des Gebaeudes fort. Ein positives, raumgreifendes Element wirkt nicht allein durch sich selbst, sondern viel mehr durch seine Wechselbeziehung mit dem negativen, raumgebenden Element. Wright setzte die Elemente und Raeume, geleitet von seinem starken Gefuehl fuer Raumproportionen, spannungsvoll in Beziehung. Er schuf eine Beziehung zwischen seinen Elementen, indem er das fliessende Ineinandergreifen eines Raumes in den anderen andeutete. Ein weiteres Problem mit dem sich Wright auseinandersetzte war das der Raumkontinuitaet, ihre Gestaltung auch auf die aeussere Gestaltung der Bauten und ihr Ausdruck im Bauwerk als einem einheitlichen Ganzen. Die raeumlichen und materiellen Durchdringungen in Wrights Werken schaffen eine Bewegung, wogegen die ungebrochen-einheitlich-horizontalen Flaechen wiederum Ruhe bringen. Zusammenhaenge, die im Wechselspiel das Lebendige einer Architektur ausmachen, erschoepfen sich bei Wrights Architektur natuerlich nicht mit dem oben genannten Beispiel. Dieses versucht nur die Parallelen zwischen Yin - Yang und seiner Werke herzustellen. Er selbst formulierte sein grundlegendes Prinzip treffend so: „Raum: das ewige Werden; unsichtbarer Quell, aus dem jeglicher Rhythmus fliesst, und in den jeder uebergehen muss. Jenseits von Zeit oder Unendlichkeit¡§. Dieses Bild des „endlosen Werdens¡§, wie eines dahin stroemenden Wassers, eines grenzenlosen Meeres oder einer unendlich weiten Praerie war ein konstantes Element in Wrights gesamtem Werk. ¡@ ¡@ Guggenheim-Museum und Yin-Yang Diese zwei Ideen von zwingender Kraft: die erste von der Umschliessung in der idealen Hoehle, die zweite von dem Sieg ueber die Zeit durch die Anwendung der ununterbrochenen Spirale, „jenseits von Zeit und Unendlichkeit¡§, wobei diese Spirale zyklisch und scheinbar endlos wiederkehrt - diese beiden Ideen also gewinnen ihren Hoehepunkt im Guggenheim-Museum. (Vincent Scully) ¡@ Wenn man die Spirale, das Hauptthema des Guggenheim-Museums, mit dem Yin-Yang - Symbol vergleicht, faellt einem wahrscheinlich die Formverwandtschaft zwischen beiden auf. Doch die AEhnlichkeit erschoepft sich auch schon in der Formverwandtschaft, denn inhaltlich gesehen erscheint uns das Guggenheim-Museum, behaftet vom Symbolischen, weit entfernt von der organischen Idee und noch weiter vom Tao. Wright versuchte in diesem Bauwerk Freiheit und Weite zu manifestieren, doch er bewirkte die Lenkung und Beschraenkung des Besuchers. Julius Posener und Vincent Scully beschreiben ihre Ansicht zum Guggenheim-Museum auf sehr eindrucksvolle Weise und ihre Passagen ueber dieses Bauwerk vermitteln einen naeheren Eindruck. ¡@ Analyse der Werke Wrights Typische Gestaltungsprinzipien und -elemente in Wrights Architektur, die mit dem Taoismus Aehnlichkeit aufweisen: ¡@ Offenheit der Grundrisse In der traditionellen westlichen Architektur ist jeder Raum fuer sich, eine Welt in sich. Wrights Haeusern liegen dagegen offene Grundrisse zugrunde. Bei seinen Einfamilienhaeusern werden nur Arbeitsraum, Kueche und Herrenzimmer getrennt, die restlichen Raeume sind im Sinne des freien Plans offen gehalten. Die Offenheit bezieht sich auch auf die Beziehung Innen-Aussen: die Raeume werden vom Zentrum des Hauses, dem grossen Kamin, in den Garten hinausgestreckt. Offene Grundrisse werden in den traditionellen chinesischen und japanischen Wohnhaeusern sehr oft angetroffen. Wrights offene Grundrissgestaltung zeigt, dass eine verwandte Denkweise zu aehnlichen Ergebnissen in einer anderen Kultur fuehren kann, denn der Grundgedanke der Offenheit zeigt sich schon in seinen fruehen Werken, als er noch nicht in Beruehrung mit der oestlichen Kultur gekommen war. Sein spaeterer Kontakt mit ihr, insbesondere mit der japanischen Kultur, perfektioniert die Offenheit seiner Architektur. ¡@ ¡@ Veranda In Wrights Einfamilienhaeusern ist die Veranda, die durch ihre horizontalen Linien den Horizontalismus in Wrights Architektur verstaerkt, der auffaelligste Bauteil der Fassade. Diese architektonische Massnahme reflektiert seine Naturverbundenheit, da diese langgestreckten Veranden den Kontakt mit der Umgebung gewaehrleisten, ohne das der Bewohner das Haus verlassen muss und verschafft ihm so einen angemessenen Bewegungsfreiraum. Die Veranda nimmt in den fernoestlichen traditionellen Wohnhaeusern eine wichtige Stellung ein. Vor allem sind es die traditionellen japanischen Wohnhaeuser, die mit ihren umlaufenden Veranden eine besondere Beziehung zum Garten erzeugen. Der Verzicht auf Bruestungen und die offenen Fassaden erzeugen einen noch groesseren Bewegungsfreiraum als bei Wright. ¡@ Freistehendes Einfamilienhaus Wright baut gern solche Einfamilienhaeuser, die tausend Meter vom naechsten entfernt sind. Da sein Ideal nach einem menschlichen Dasein tief verwurzelt ist, kommt es bei Wright zu einer ablehnenden Haltung gegenueber staedtischen Lebens. „Zurueck zur Natur¡§ entspricht seinem innersten Wunsch, auch wenn er diese Formulierung missbilligen wuerde. Seine Ideen zu staedtebaulichen und gesellschaftlichen Problemen basieren auf stark vereinfachten Vorstellungen, fordern die Aufloesung der Staedte und zeigen die Abwesenheit des sozialen Impulses. Sie entsprechen vagen Utopien, die einem kindlich-naiven Naturgefuehl entspringen, das man gerne mit ihm teilt. Das zurueckgezogene Eremitenleben ist ein bevorzugtes bei Taoisten. Natuerlich unterscheidet sich das Leben im freistehenden Einfamilienhauses von der Lebensart in der Zurueckgezogenheit, doch sind die grundsaetzlichen Gedanken, des verminderten Kontaktes mit anderen Menschen und des verstaerkten mit der Natur, aehnlich. ¡@ Der menschliche Massstab Niedrige Raeume werden durch Fensterbaende, Werksteinplatten, Werksteinbaende in der Backsteinwand horizontal unterteilt. Die Deckenhoehe der Wohnhaeuser Wrights werden durch den zur Decke gehoerenden Fries, den obersten Teil der Wand, optisch noch niedriger. Hier wird von Wright, neben anderer architektonischer Methoden, der Horizontalismus, als Reflexion des humanistischen Gedankens benutzt, um den Menschen in die Mitte des Raumes zu stellen und den menschlichen Massstab in der Architektur zu verwirklichen. ¡@ Oak Park, Illinois, 1904-1907 Wir haben das Unity Temple als Beispiel gewaehlt, da Wright selbst dieses Bauwerk als sein erstes Werk bezeichnete, dass mit organischer Absicht entworfen wurde. Bei der Betrachtung der Ansichten faellt als erstes ihre Schlichtheit auf. Durch die Zerstoerung der Kiste bringt Wright zwar mehr Bewegung in die Fassaden, als gegenueber der urspruenglichen Idee eines Kubus¡¦, aber der rohe Betonblock, der lediglich die Textur der Holzschalung traegt und die zumeist ungebrochenen Flaechen, vermitteln dem Gebaeude ein grosses Mass an Bescheidenheit. Die Aufmerksamkeit des Betrachters richtet sich als erstes auf die sich abspaltenden Ecken, auf die horizontalen Mauerabdeckungen und auf die rhythmisch gegliederten, dekorativen Pfeiler. Interessant ist die versteckte Anordnung der Eingaenge, womit Wright die „Unversehrtheit¡§ der Fassaden erreicht, sich aber damit stark von den traditionellen Gotteshaeusern abgrenzt, bei welchen, dem Eingangsportal eine optisch besondere Bedeutung zu kommt. Wrights Abkehr vom Traditionellen zeigt sich sehr deutlich in seinem Horizontalismus, wodurch der Unity Temple seine nach menschlichem Massstab geplante Natur widerspiegelt. Die geringe Gebaeudehoehe, die Dachvorspruenge und die horizontalen Linien bezwecken eine natuerliche Beziehung des Menschen zum Tempel, statt eines ehrfurchtsvollen Respekts. Auch im Gebaeudeinneren bleibt die Atmosphaere human. Das Aussenlicht fliesst von oben und von allen Seiten herein. Die Dekoration des Innenraumes beruht, mit ihren rechteckigen Farbflaechen und ihren senkrechten und rechtwinkligen Linien, auf streng geometrischen Prinzipien und zeigt AEhnlichkeit zu traditionellen japanischen Haeusern. Unserem Empfinden nach versucht Wright die Aufmerksamkeit zu stark auf die Dekoration und somit auf sich zu lenken. Die stark gerahmten Farbflaechen goennen dem betrachtenden Auge keine Ruhe. Im Ganzen betrachtet, erkennt man aber deutlich die organische Idee, die diesem Bauwerk zu Grunde liegt. Mit allingwater¡§ zeigt Wright, dass Wahrnehmung in der Architektur nicht unbedingt nur auf das Sehen beschraenkt sein muss: Das Haus wird in unmittelbare Beziehung zum Wasserfall gesetzt und bedient sich neben der optischen der akustischen Kraft der Natur; zugleich versorgt der Wald die Bewohner mit frischer Luft. Nahezu alle Sinne werden durch Natur und Architektur in angenehmer Weise angesprochen. Das Wirken Wrights erkennt man am engen Zusammenhang mit der Natur und an seinem Sinn fuer einfache Materialien. Saemtliche vertikale Elemente des Hauses sind in einheimischem Stein ausgefuehrt, mit leicht vorstehenden Steinen, um den Mauerflaechen eine kraftvolle Wirkung zu verleihen. Im Innenraum verwendete Wright die gleichen unbehandelten Steine, die man im Aussenbau findet, wodurch der Mensch inspiriert wird die Architektur auch taktil zu erfahren. Alle horizontalen Elemente, wie z.B. die exponierten Terrassenplatten bestehen aus gegossenem und weiss geputztem Beton, dabei wirken die Terrassen, die von allen Raeumen erschlossen werden koennen, wie vereinfachte Felsplatten und spielen im Gesamtkonzept eine wesentliche Rolle. Sie unterstuetzen im starken Masse das Ineinandergreifen von aussen und innen. Das Gefuehl der Freiheit, das man in der Natur empfindet, versucht Wright durch den offenen Grundriss ins Gebaeudeinnere zu fuehren: Der Mensch soll nicht abgekapselt sein, sondern sich auf angenehm natuerliche Weise frei fuehlen. Jedes Bauwerk ist ein Eingriff in die Natur und bedeutet daher eine gewisse Zerstoerung. Organische Architektur mit der Integration als Prinzip versucht die Zerstoerung minim zu halten und sich in die Natur einzugliedern. Fallingwater demonstriert diesen Gedanken in gelungener Weise. Das Gebaeude steht auf einem halbkreisfoermigen Grundriss, auf der Nordseite ist das Erdreich zu einem Wall angeschuettet, die Suedseite hingegen besteht nur aus einer ueber beide Stockwerke reichenden Glaswand, die im Winter die Sonnenwaerme in das Haus bringt. Der suedliche Dachueberstand ist so bemessen, dass die Glasflaechen im Sommer beschattet, im Winter aber von den willkommenen Sonnenstrahlen erreicht werden koennen, und nimmt so Ruecksicht auf den wechselnden Sonnenstand. Die Galerie mit den Schlafzimmern ist mit Stahlstaeben von den Dachsparren abgehaengt. Dadurch konnte das Erdgeschoss von allen Stuetzkonstruktionen freigehalten werden. B. B. Pfeiffer Das Wesen des Solar Hemicycle ist schlicht und bescheiden. Nordansicht und Suedansicht unterscheiden sich, aufgrund ihrer waermetechnischen Funktion, deutlich voneinander. Vor allem in der Nordansicht drueckt sich die Einfachheit des Bauwerks durch archaische Verwendung von Material und Form aus. Wright reagierte auf die einfache Topographie mit einer einfachen Formensprache. Die monotone Ausstrahlung des Huegels wird durch die gewachsene Architektur zu einer ruhig-lebendigen Einheit verbunden. Fuer das Lebendige ist in erster Linie der Durchbruch durch den Huegel entscheidend. Sie vermittelt dem Betrachter ein einladendes Gefuehl und verdeutlicht in starkem Masse die untrennbare Einheit zwischen Natur und Bauwerk. Die Ruhe der Nordansicht wird insbesondere durch die liegende Form des Hauses, die horizontale Linie des Holzdachs und die geschlossene Verwendung des grob gefuegten, rauhen Bruchsteins, als dominierendes Material bestimmt. Die einheitliche Erdmasse des Huegels ist das Gegenstueck zum Stein und schuetzt das Haus vor den kalten Winden. Das Leben der Bewohner orientiert sich in suedliche Richtung, daher bietet die Suedansicht ein verstaerktes Variationsspiel in Form und Material. Neben dem Bruchstein der Nordseite gewinnen Holz und Glas eine gleichberechtigte Bedeutung. Die grossen Glasflaechen zum abgeschirmten Innenhof zielen neben dem Solarhaus-Effekt, auf eine OEffnung zur Landschaft. Wright versuchte die Trennung zwischen Innen- und Aussenraum aufzuloesen, indem er den Naturstein auch im Gebaeudeinneren benutzte. Ein weiteres Symbol fuer das Ineinandergreifen zwischen aussen und innen ist ein runder Pflanzenteich, der durch die Glasfassade geteilt wird. Wright machte den Kreis zum Hauptthema seines Entwurfs, was sich sowohl in der halbrunden Grundrissform als auch in einigen kreisfoermigen Elementen, wie z.B. Kueche, Bad und Teich, ausdrueckt. ¡@ Epilog Wright wirkte in einer Zeit, in der die Industrienationen mit ihren permanent fortschreitenden technischen Errungenschaften immer massivere Umwaelzungen herbeifuehrten. UEberwaeltigt von den Moeglichenkeiten der quantitativen Produktivitaet vervielfaeltigten die Industriegesellschaften, ihre sich ueberschlagenden Erfindungen, mit immer effizienteren Produktionsmethoden so gravierend, dass sich das Ausmass der Umwaelzungen nicht mit einigen Worte beschreiben laesst. Das Thema der industriellen Revolution verleitet zwar, neben seiner Entwicklung, sich noch staerker zu seinen Auswirkungen auf Natur und Mensch zu aeussern, doch das kaeme der unaufhaltsamen Industrielawine im Kleinen nahe. Scheinbar unbeeindruckt von den rationalisierenden und verallgemeinernden Prinzipien der Technik, die sich nahezu auf alle Lebensbereiche der Menschen uebertrugen und den Menschen in Beziehung zur Technik setzten, verwirklichte Wright die Idee einer organischen Architektur, die den Menschen in Beziehung zur Natur sah und die Architektur verwurzelt mit dem Boden auf dem sie steht. Wrights Individualitaet und geistige Flexibilitaet spiegelt sich in seinen meisten Bauwerken wider, die sich mit Einfalls- und Variationsreichtum in den jeweiligen Ort integrieren. In seiner respektvollen Haltung der Natur und ihrem innewohnenden Prinzip gegenueber, sehen wir die groessten Tendenzen zum Tao. Wir moechten Tendenzen aber noch einmal betonen, denn Laotses Naturverstaendnis verkoerpert fuer uns ein Leben in einer Geisteshaltung, das sich von egozentrischen und dualistischen Gedanken befreit hat, um eins zu sein mit der Natur. Wright war Architekt, daher gebunden an materielle und gesellschaftliche Verpflichtungen, konfrontiert mit stereotypen Architekturmoden und der zunehmend rationalistischen Denkweise. Trotz der eher schwierigen Umstaende verwirklichte Wright seine organische Architektur, gestuetzt von seinem Selbstvertrauen. Seine Ungebundenheit gegenueber vorgefassten Architekturstilen, ermoeglichte ihm eine ortsbezogene Bauweise, mit einer daraus hervorgehenden Formenvielfalt, die sich aber trotzdem mit der Funktion zu einer Einheit verbindete. Wir haben am Anfang ueber die Industrielawine in der Vergangenheit gesprochen und wir moechten mit ihren Auswirkungen in der Gegenwart anknuepfen, denn sie rollt mit exponential steigender Geschwindigkeit und vernichtet den Lebensraum Natur gnadenlos. Unbegrenzt scheinen die Moeglichkeiten moderner Technik zu sein, und sie faszinieren uns. Aber die Vernichtung der Umwelt ist der zu bezahlende Preis fuer sie, wie ein ganzes Jahrhundert anhaltender Verwuestung beweist. Trotz allem erhofft sich unsere, ueberwiegend technokratisch eingestellte Gesellschaft, den Ausweg aus der Zerstoerung mit Hilfe der Technik zu bewaeltigen. Warum? Wir wissen, dass die gesellschaftlichen Zusammenhaenge komplex sind und es geht hier nicht um eine Schuldzuweisung. Unsere einfache Frage entspringt, aehnlich wie Wrights Utopien, einem kindlich-naiven Impuls, aber dieser koennte der Ansatz fuer eine konstruktive Offenheit gegenueber moeglichen Alternativen sein. Wright und andere Vertreter ganzheitlicher Denkweisen erscheinen uns in diesem Zusammenhang sehr modern. ¡@ Literatuverzeichnis Frank Lloyd Wright - Humane Architektur / Wolfgang Braatz Frank Lloyd Wright / Gabriele Leuthaeuser Frank Lloyd Wright - Ein Testament / Langen - Mueller Frank Lloyd Wright / Vincent Scully Jr. Vorlesungen zur Geschichte der Neuen Architektur (1975-1933) / Julius Posener Das Tao ist Stille / Raymond Smullyan Die moderne chinesische Gestaltungstheorie / Chen, Jen-Hwe Zen-Geist, Anfaenger-Geist - Unterweisungen in Zen Meditation / Shunryu Suzuki Leben aus Zen - Eine Einfuehrung in den Zen-Buddhismus / Daisetz T. Suzuki |
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