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Platz in Rom

Eray Oezkan


Gian Lorenzo Bernini (1598-1680;88) war beliebtester Architekt, Bildhauer und Staedteplaner dreier aufeinanderfolgender Paepste. In das Pontifikat seines Hauptgoenners Maffei

Barberini, als Papst unter dem Namen Urban VIII. bekannt, fiel auch die Verurteilung Galileo Galileis. Bernini wurde auch nach Frankreich geladen, um u. a. den Louvre zu gestalten.

Nach triumphalen Empfang beging er den Fehler die franzoesische Architektur zu kritisieren, so dass er unverrichteter Dinge wieder abreisen musste.

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Piazza Navona

Der oft als Rom schoenster Platz bezeichnete Ort war urspruenglich eine Arena fuer Wettkaempfe, die bis 33 000 Zuschauern Platz bot. Bis ins 19 Jh. wurde der im 17. Jh. mit

Brunnen neu gestaltete Platz regelmaessig im August mit Wasser geflutet. Wohlhabende fuhren zu ihrer Abkuehlung mit ihren Kutschen durch das Wasser auf den Wegen, die schon

antike Wagen beim Rennen fuhren. Kinder planschten im Wasser.

Bergenbgruen; Roemisches Erinnerungsbuch: Die laengliche Piazza Navona hat die Form bewahrt, die Kaiser Dimitian diesem auf sein Geheiss angelegten Stadion gab. Drei

Brunnen in der Laengsachse gelegen, gliedern den herrlichen Platz. Der noerdliche ist modern.

Sein Schoepfer tat wohl, sich an einen ueberlieferten Formenschatz zu halten, so gefaehrlich dies

sonst zu sein pflegt; etwas anderes ertruege der Platz nicht. Der Suedbrunnen, beruehmt durch den

ins doppelte Muschelhorn stossenden Mohren, heiter, bewegt, scheinbar muehe- und absichtslos,

verraet Berninis Hand. Und nun erst der grosse Obeliskenbrunnen in der Mitte! Unerschoepflich an

Arbeitskraft wie an glaenzenden, mitunter sich selbst ueberschlagenden Einfaellen, alle Kuenste

einschliesslich des Theaterwesens beherrschend und mit Leidenschaft uebend, von Monarchen als

ihresgleichen geehrt, so ist Lorenzo Bernini der koenigliche Kuenstler des barocken Rom

gewesen. Was er auch trieb, alles hatte den Zug ins Grosse, und das naemliche laesst sich von

Urban VIII. sagen, diesem Urbilde der willensmaechtigen fuerstlichen Barocknatur. Sein

Guenstling, Freund, Hausgenosse war Bernini und hat ihm zu Ehren die drei Bienen des

Barberiniwappens in ganzen Schwaermen ueber roemische Kirchen, Palaeste, Brunnen flattern

lassen. Von Urban stammt das Wort:" Es mag ein grosses Glueck fuer den Kuenstler sein, dass

Barberini Papst geworden ist, aber es ist ein noch groesseres fuer Barberini, dass Lorenzo

waehrend seines Pontifikats lebt"

Fontana dei Fiumi

Fuer Papst Innozenz X aus der Familie Pamphili wurde der Brunnen 1651 von Bernini erbaut.

Sondersteuern, die unter anderem auf Brot erhoben wurden, dienten seiner Finanzierung. Ein

Obelisk, der urspruenglich im Zirkus Maxentius an der Via Appia stand, kroent das Ensemble. Vier

Riesen symbolisieren die damals bekannten groessten Fluesse: Ganges, Donau, Nil und Rio de la

Plata. In Sant'Agnese in Agone und dem Vierstroemebrunnen begegnen sich in zwei Hauptwerken die verfeindeten Kuenstler Bernini und Borromini. Die allegorische Figur des Rio

de la Plata, soll die Arme in abwehrender Haltung hochhaltend, die Angst zum Ausdruck bringen,

die Kirche koenne auf sie stuerzen. Beschwichtigend scheint die Statue der hl. Agnes an der nach

innen gewoelbten Fassade von Sant'Agnese der Figur des Rio de la Plata zu versichern, dass die

Kirche nicht einstuerze, so sagt man wenigstens. Ebenso munkelt man, der Flussgott Nil halte sein

Haupt verhuellt, um die schreckliche Architektur Borrominis nicht sehen zu muessen. Tatsache ist

aber, dass die Kirche erst nach Berninis Brunnen erbaut wurde und versoehnlicher ist die

Interpretation des verhuellten Hauptes als Zeichen dafuer, dass zu Berninis Zeiten die Quellen des

Nil noch nicht bekannt waren. Und vielleicht noch nachvollziehbarer, der Nil trauert um die

Entfuehrung des Obelisken aus seiner Heimat Aegypten. Und die scheinbar zur Abwehr erhobenen

Arme, sollten urspruenglich Wappen tragen. Die Konzeption des Brunnens stammt von Bernini

selbst, waehrend die Arbeiten an den Flussfiguren von anderen Kuenstlern ausgefuehrt wurden.

Die Kirche Sant'Agnese steht an dem Ort, an dem sich 304 jenes Bordell befand, wo die hl. Agnes

zur Demuetigung - nackt gezeigt wurde, nachdem sie als 12-jaehrige Schoenheit und Tochter

reicher, christlicher Eltern dem Werben des Sohns des damaligen Stadthalters Roms nicht

nachgab mit der Begruendung, sie sei bereits einem anderen, naemlich Jesus versprochen, wie

sie bei Verhoeren unter mystischer Verzueckung preisgab. Ein Wunder liess ihre Haar ploetzlich

so schnell wachsen, dass ihre Bloesse verdeckt wurde, wie es in einem Marmorrelief in der Krypta

der Kirche dargestellt ist. Darauf hin sollte sie hier auf einem Scheiterhaufen sterben, die

Flammen, so sagt die Legende, konnten ihrem Koerper nichts anhaben, sie starb schliesslich den

Maertyrertod, indem ihr ein Schwert in den Hals gestossen wurde. Begraben ist sie in der nach ihr

benannten Katakomben in der Va Nomentana. Ihr "Wappentier" wurde das Lamm - lateinisch

agnus - wegen der Naehe zu ihrem Namen Agnes.

Fontana del Moro wurde 1653 von Bernini umgestaltet, die Figuren wurden von Bernini gezeichnet aber von Mari gearbeitet.

Neptunbrunnen, der noerdliche Brunnen des Platzes wurde von Della Porta entworfen, aber erst in spaeteren Zeiten realisiert.

Pantheon

Als Roemischer Tempel der "Gesamtheit der Goetter" geweiht, unter Hadrian (118-125 n. Chr.) an der Stelle erbaut, an der der Schwiegersohn des Augustus Marcus Agrippa einen

Tempel errichten liess, wurde dieses imposante Gebaeude im Mittelalter zu einer Kirche. Durch den, auf den Fundamenten des Agrippa-Tempels ruhenden Portikus mit seinen

maechtigen Granitsaeulen, betritt man den eigentlichen Bau, der einer Kugel von 43,3 Meter Durchmesser umbaut ist. Die imaginaere, aber dem Raum eine aesthetische Wirkung

verleihende untere Halbkugel "ruht" in einem Zylinder, der die obere Halbkugel, die zur Kuppel ausgebaut ist, mit 6 Meter starken Mauern traegt. Die Decke des Gewoelbes ist mit

hohlen Kasettenfaecher ausgestaltet, die das Gewicht der Kuppel mindern. Die Kuppel ist unter Verwendung einer sogenannten verlorenen Holzform aus einem mit Bimssteinsand

und Kalktuff vermengten Moertel als quasi Betondecke gegossen. Als einzige Lichtoeffnung dient der Oculus, eine runde Oeffnung mit einem Durchmesser von 9 Meter, die neben

Licht auch Regenwasser reinlaesst; das Wasser wird mittels Rinnen im Fussboden in Zisternen gesammelt. Der 1873 restaurierte Fussboden hat noch sein urspruengliches,

roemisches Design. Neben einigen Koenigen der moderneren italienischen Geschichte ruht unter einer von Lorenzetto 1524 gestalteten Madonna Raffael, der hier auf eigenen

Wunsch begraben wurde.

Daten:

27-25 n. Chr.

Marcus Agrippa baut das erste Pantheon

118 n. Chr.

Hadrian baut das zwei Pantheon

609

Papst Bonifatius IV. weiht das Pantheon zur Kirche Santa Maria ad Martyres

663

Der byzantinische Kaiser Constans II laesst die vergoldeten Dachziegel entfernen

735

Gregor III versieht das Pantheon mit einem Bleidach

1305-1377

waehrend die Paepste in Avignon weilen, dient das Pantheon als Festung und Gefluegelmarkt

1600

Urban VIII laesst die Bronze des Portikus fuer Berninis Baldachin in Sankt Peter einschmelzen

1888

Das Grabmal Koenig Viktor Emanuele II wird fertiggestellt.

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Das Handeln Urbans VIII wird passend von Goethe mit "Was die Barbaren stehenliessen, haben die Baumeister des neuen Rom verwuestet" kommentiert, wobei Goethe aber, da

ihn hauptsaechlich das klassische Rom interessiert, selbstverstaendlich verschweigt, dass neue Kunst geschaffen wurde, was die Zerstoerung selbst natuerlich nicht rechtfertigt.

Oder der roemische Ausspruch: Was die Barbaren nicht schafften, schafften die Barberini.

Ergaenzendes zum Pantheon:

Die Rotonda ist das Pantheon, der gewaltige, unter Kaiser Hadrian errichtete Kuppelbau, die Erneuerung eines aelteren Baues, den (worauf die Inschrift im Giebel hinweist) der

Konsul Agrippa 27 v. Chr. als Heiligtum aller Gottheiten geweiht und der zu dem Komplex seiner Thermen gehoert hatte. Einziger als Ganzes erhaltener Monumentalbau der Antike in

Rom. Seit 609 christliche Kirche S. Maria dei Martiri. "Im Innern ueberwaeltigt vor allem die Einheit und Schoenheit des Oberlichtes, welches den riesigen Rundbau mit seinen

Strahlen und Reflexen so wunderbar anfuellt. Die Gleichheit von Hoehe und Durchmesser, gewiss kein durchgehendes Gesetz der Kunst, wirkt doch hier als geheimnisvoller Reiz

mit." (Jakob Burckhardt) Vgl. G.Lugi, I Monumenti antichi die Roma, III S. 123ff., K. de Fine Licht, The Rotanda in Rome, Juetland Archeological Society Publ. VIII.

Piazza della Rotonda

- Nicht vergessen:

Eine Pause fuer Cafe im beruehmten Tazza d'Orso schraeg ueber die Piazza della Rotonda. Als Begruendung fuer eine Pause dient wohl nichts besser als das folgende Zitat von

Goethe:.., "obgleich ein solches Vorueberrennen wenig Genuss und Belehrung gewaehrt. .. Ein flinker und wohlunterrichteter Lohnbediente, sobald er vernahm, dass ich nicht lange

zu verweilen gedaechte, jagte mich durch alle Strassen, durch so viel Palaeste und Kirchen, dass ich kaum in meinem Volkmann anzeichnen konnte, wo ich gewesen war, und wer

weiss, ob ich mich kuenftig bei diesen Merkzeichen aller der Sachen erinnere."

Piazza della Minerva

Bizarr anmutendes Arrangement Berninis ist der Marmorelefant mit Obelisken. Von Bernini stammt der Entwurf des Elefanten und die Komposition. Als Symbol der Klugheit und

Froemmigkeit wurde der Elefant als Stuetze der wahren christlichen Weisheit gewaehlt. Die Ausfuehrung des Elefanten wurde Ercole Ferrata anvertraut. Der Obelisk wurde im

Garten des Klosters von Santa Maria sopra Minerva gefunden, weshalb die Moenche auch wuenschten, dass er auf "ihrem Platz" aufgestellt werde. Berninis urspruengliche Planung

sah vor, dass der Raum unter dem Bauch des Elefanten frei bleiben sollte - dass Bernini die

Gesetze der Statik voll beherrschte, bewies er bei den Hohlraumkonstruktionen des

Vierfluessebrunnens auf dem Piazza Navona - ein verantwortlicher Moench traute der

urspruenglichen Konstruktion nicht, deshalb musste Bernini den Raum unter dem Bauch des

Elefanten massiv gestalten, kaschiert wurde der Tribut an die Inkompetenz des Moenchen mit

einem Sattel auf dem Ruecken des Elefanten, der so gestaltet wurde, dass er optisch die

urspruengliche Leichtigkeit des Designs wenigstens zum Teil rettete.

Die Kirche Santa Maria supra Minerva wurde vermutlich an der Stelle eines alten Minervatempels

aufgebaut. Sie war die Hochburg der Dominikaner, die wegen ihrer Rolle in der Zeit der Inquisition,

Domini canes d.h. Spuerhunde des Herrn genannt wurden. In der Kirche befinden sich einige

Papstgraeber, z.B. Leo X., Clemens VII. und einige Midici-Paepste, die hl. Katharina, die den

Papst aus Avignon wieder nach Rom zu gehen ueberredete und der Domikanermoench Fra

Angelico, der als Maler in Florenz viele Kunstwerke hinterliess. In dieser Kirche fand auch das

Verhoer Galileis statt.

Fontana di Trevi

(Kulisse fuer den Fellinis Film : La dolce Vita 1960; Anita Eckberg badet im Trevibrunnen)

Wohl der bekannteste Brunnen in Rom. Entworfen von Nicola Salvis, setzt dieser Brunnen dem

Geiste Berninis ein hochbarockes Denkmal. Der Brunnen fuellt den ganzen Platz aus. Neptun

regiert die hervorstuerzenden Wasseradern. Flankiert wird der Gott von zwei Tritonen. Der eine

versucht ein ausgesprochen wildes Pferd zu zuegeln, der andere fuehrt ein wesentlich ruhigeres

Pferd. Beide Gruppen sind als Allegorien der unterschiedlichen Temperamente des Meeres zu

verstehen. An dieser Stelle endete urspruenglich die Aqua Vergine (19 v. Chr.)

Bergengruen; Roemisches Erinnerungsbuch:

... Der grosse Brunnenschoepfer Roms ist Lorenzo Bernini. Das ist kein Brunnen, das ist ein

Brunnenpalais, die Residenz eines koeniglichen Wassgottes. Der Brunnen bildet die

Seitenfassade des Palazzo Poli, der doch nur seinetwegen da zu sein scheint. Auf Seetierchen

und Muscheln, auf alle ziervollen Requisiten ist Verzicht getan. Oben von der saeulentragenden

Nische steht gebietend der Gott, und die Falten seines Gewandes gehen ueber in die steinernen

Wogen, die ihn tragen. Unter sich hat er die beiden gefluegelten Wasserpferde mit ihren

halbmenschlichen Begleitern, eine geistreiche Abwandlung des Rossebaendigermotivs. Wenn

man will, kann man, auf die Dreiecksform der Gruppe gestuetzt, einen von zwei Wasserrossen

gezogenen, von Neptun gelenkten Wagen erblicken, aber dem Element gemaess scheint alles zu

fluessig, als dass man den Gedanken des Kuenstlers so koerperhaft fixieren duerfte. Das Wasser

quillt nicht aus Tiermaeulern oder ueber Lippen, es bricht aus dem Gestein, und das gibt der

Fontana Trevi ihren naturhaften Charakter. Das Wasser erscheint in seiner elementarischen

Eigenschaft, und der graue, rauhe Fels hat den Vorrang vor dem geglaetteten Marmor.

Palazzo del Quirinale

Auf dem Quirinal und dem Esquilin wurden im 8. Jh. v. Chr. Siedlungen der Sabiner nachgewiesen.

Im 16. Jahrhundert haeuften sich im Vatikan die Malaria Faelle. Papst Gregor XIII plante deshalb

auf dem hoechsten der sieben Huegel Roms seine paepstliche Sommerresidenz. Die Arbeiten

begannen 1574 und wurden unter Clemens (1730-40) fertiggestellt. Von Bernini stammt der schmale Fluegel entlang der Via Quirinale. Seit 1947 offizielle Sitz des Praesidenten der

Republik.

Quattro Fontane

...entstanden unter Papst Sixtus V (1585-1590). Alle vier Brunnen sind einer Gottheit gewidmet hoechster Punkt des Quirinal, Ausblick auf drei Obelisken: Santa Maria Maggiore,

Trnita dei Monti und Piazza Quirinale

Piazza Barberini mit Berninis Fontana Tritone - Fontana delle Api

Kurz nach Fertigstellung des Platzes schuf Bernini 1642 den Tritonbrunnen. Der Auftrag dafuer stammte von dem Barberini Papst Urban VIII. Auf dem Kopf stehende akrobatische

Delphine tragen auf ihren Schwanzspitzen eine grosse Muschel, in der der Meeresgott kniet und durch eine Muschel Wasser senkrecht nach oben blaest. Der Brunnen der alle Sinne

anspricht (auch das Gehoer) stellt eine Momentaufnahme hoechsten Dynamik dar. Die Delphine koennen nicht beliebig lange die Muschel mit dem Gott halten, der Atem des Gottes,

der das lebensspendende Wasser nach oben blaest, haelt nicht lange. Der Brunnen wird somit dem barocken Ideal eines Kunstwerkes gerecht, das alle Sinne anspricht Zwischen

den Delphinen sind die paepstliche Krone, die Tiara, der Schluessel Petri und das Familienwappen der Barberini plaziert.

Schraeg ueber dem Platz findet man den Brunnen Fontana delle Api (1644), den Bienenbrunnen . Bienen sind die Wappentiere der Barberini. Die Bienen scheinen Wasser aus dem

Brunnen zu trinken. Eine Inschrift besagt, dass das Wasser fuer die oeffentlichkeit, Mensch und Tier bestimmt sei.

Bergengruen; Roemisches Erinerungsbuch:

Errichtung und Auszierung von Brunnen ist eine alte roemische Tradition. In der Kaiserzeit sind dreizehnhundertzweiundfuenfzig oeffentliche Brunnen gezaehlt worden. Kaum ein

antiker Brunnen hat sich unveraendert im Ganzen erhalten, wohl aber allerlei Brunnenschmuckwerk, wie die prachtvollen Tierkoepfe, die jetzt den Brunnen im Hof der

Diokletiansthermen umgeben. Vom Zierrat antiker Brunnen sind zahllose Motive in die spaetere roemische und gesamteuropaeische Formensprache uebergegangen, vereint mit

Motiven, die aus den Wandmalereien antiker Baderaeume uebernommen wurden. Von daher stammen all diese Fischpaare mit den lustigen verschlungen Schwaenzen, von daher

die drolligen Seepferdchen, die sich an beiden Wagen des wasserspeienden Gottheitshauptes schmiegen, all dies neptunische Hofgesinde, dem die Jahre die dem Wasser

ausgesetzten steinernen Unterkoerper mit gruenen Moosgewaendern bekleideten, die Meereshalbgoetter, die pausbackig auf Muschelhoernern blasen. Aus ihren Blasinstrumenten

rint das Wasser, aber nicht das Wasser allein, sondern angemessenermassen auch ein suesser, beglueckender Klang, der des sanft rieselnden Elements...."Murmure suo fons canit

vitae laudem. - Mit seinem Murmeln singt der Quell das Lob des Lebens."

oder

Im Tritonenbrunnen der Piazza Barberini hat Bernini mit den Gesetzen der Schwerkraft in Anmut und Kuehnheit ein heiteres Fangballspiel getrieben. Wie auf seinem beruehmtesten

Brunnen, dem auf der Piazza Navona, vier Einzelteile weiter oben in ein einziges Stueck zusammenwachsen, so bilden hier die Koepfe der vier Delphine das Postament. Auf den

senkrecht erhobenen Schwaenzen tragen sie die Muschelschalen, ueber den der sitzende Triton mit dem gerade aufgerichteten

Oberkoerper die schneckenhausaehnlich gebildete Muschel erhebt. Wer das anschaut geht wohlgelaunt weiter.

Santa Maria della Vittoria

Santa Maria della Vittoria ist eine Barockkirche und birgt Berninis Altar der hl. Theresia. Theresia von Avila (1515-1582;67)

spanische Ordensreformerin und Mystikerin, zeichnete sich durch strengste Froemmigkeit und aus und litt unter scheren

Krankheiten; dabei erfuhr sie mystische Erlebnisse und Verzueckungen. Im Alter von 45 legte sie das Geluebde zum Streben

nach Vollkommenheit ab. Gegen starke Widerstaende setzte sie 1562 die Gruendung des Konvents der Barfuesserinnen des

Karmeliteroderns durch. Als Theologin entwarf sie eine Theologie des mystischen Erlebens in mehreren Stufen. Man kann dies in

gewisser Weise als Antwort oder Korrektur der scholastischen Gottesbeweise sehen, die sich als Denkmodelle zu

verselbstaendigen drohten, wie Bonaventura befuerchtete. Die Liebe fuehrt zu Gott. Bernini stellt die hl. Theresia im Moment der

mystisch - ekstatischen Verzueckung dar. Theresas Mund halb geoeffnet, mit geschlossenen Augen, schwebt in einem

fliessenden Gewand gehuellt auf einer Wolke. ueber ihr ein Engel, sein Laecheln wirkt sanft und grausam zugleich, haelt den Pfeil

in der Hand, der Theresia zum zweitenmal durchbohren soll. . Die Pfeile versinnbildlichen die von Aussen gesandte Erkenntnis,

die nicht aus sich selbst erworben wird. Man fuehlt sich an die Beschreibung der Liebe als einen wonnevollen Schmerz erinnert.

Besuch bei einer verzueckten Heiligen

weiter in Trastevere

Kirche San Francesco a Ripa

Hier findet man Berninis beruehmte "Verzueckung der Beate Ludivia Albertoni"

Santa Maria in Trastevere

An dieser Stelle stand vermutlich der erste Sakralbau der christlichen Minderheit im Rom des 3. Jh. und wurde sehr bald Zentrum

der Marienverehrung. Der heutige Bau stammt groesstenteils aus dem 12. Jh. Die Mosaikfassade aus dem 12. Jh. zeigt Maria

beim Stillen des Jesuskindes und zehn Frauen mit Laternen. Die acht der brennenden Laternen symbolisieren die

Jungfraeulichkeit ihrer Traegerinnen. Die erloschene Lampen symbolisieren die Witwenschaft ihrer Traegerinnen. Die Mosaike in

der Apsis sind sehr realistisch gehalten, die Kuppel der Apsis zeigt die Kroenung Mariens.

Michael Pohlig

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Forum Romanum

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Schon im Mittelalter wurden ueber das Forum Romanum die sagenhaftesten Legenden erzaehlt.

Zum Beispiel, dass unter der Erdoberflaeche unsagbare Schaetze aus den Eroberungen der alten

Kaiser lagern. Andere Parteien behaupteten, dass in den unterirdischen Gaengen wilde Tiere, halb

Mensch, halb Wolf, hausen, die des nachts die unartigen Kinder zu sich holen. Doch was

veranlasste die Leute zu solchen Vermutungen? Sicherlich war es die im Mittelalter weit verbreitete

Unwissenheit ueber die eigentlichen Urspruenge des Forum Romanum.

Eigentlich war das Forum Romanum ein sumpfiges, unbebaubares Tal zwischen zwei der sieben

Huegel Roms und wurde zuerst von den Latinern besiedelt. Im 9. bis 6. Jahrhundert v. Chr.

begruben die Bewohner der Huegel hier ihre Toten, was sicherlich auch Anteil daran hatte, dass

solche Geruechte in Umlauf gekommen waren. Schon zu diesem Zeitpunkt gab es Gebaeude, die

bis auf Romulus zurueckzufuehren sind. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurden hier die ersten Tempel

gegruendet, und das Forum entwickelte sich zum Mittelpunkt des staedtischen Lebens von Rom,

das sich in der Zwischenzeit um diese Dorfgruendung herum gebildet hatte.

Mit zunehmendem staedtischem Fortschritt entwickelte sich auch die religioese Bedeutung des

Forums. 390 v. Chr. verursachte ein Brand, durch die Gallier gelegt, schwere Schaeden. 145 v.

Chr. erlebte das Forum Romanum einen unwahrscheinlichen Aufschwung, da die politischen

Reden von nun an hier gehalten wurden.

Fnr die naechsten 100 Jahre behielt diese Staette ihre Bedeutung; um genauer zu sein, bis zu dem

Tag, an dem Clodius, ein Feind Ciceros, hier bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Mit dem Tod Julius Caesars und dem Beginn des Imperiums veraenderte das Forum sein

Gesicht sehr deutlich. Bis ca. 100 n. Chr. entstanden hier ueber 80 neue Tempel, die zu Ehren bedeutender Roemer oder Goetter errichtet wurden. Wohl der bekannteste ist der

Titusbogen, der zur Erinnerung an den Triumph ueber die Juden und die Eroberung Jerusalems steht. Oftmals wurden Tempel unbeliebter Vorfahren niedergerissen und an deren

Stelle neue errichtet. Der heftigste Brand des Forums ereignete sich im Jahre 191, und heutzutage sind als aelteste Gebaeude nur noch die Wiederherstellungsarbeiten aus dieser

Zeit zu sehen. Von nun an war kein Platz mehr, fuer die Errichtung neuer Denkmaeler und Gebaeude.

303 wurden vier Saeulen zu Ehren des Tetrarchen errichtet, von denen heute noch drei sichtbar sind. Dies war der letzte Bau auf dem urspruenglichen Forum Romanum, da der

Kaiser und ein Teil seines Hofes die Stadt verlassen hatten. Von nun an wurde Rom von Feuern, Erdbeben und Randalierern heimgesucht, auch wenn dem Forum Romanum in

dieser Zeit sehr wenig Schaden zugefuegt wurde und ebenso von den spaeteren Invasoren geachtet und gewuerdigt wurde.

Die langsame Christianisierung Roms ging einher mit der Christianisierung des Forums, da viele Tempel in Kirchen in christliche Institutionen umgewandelt wurden.

Zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert erlebte das Forum seinen groessten Zerfall, da es in der Stadt zu Kaempfen zwischen verschiedenen Parteien kam und sich ueber das Forum

Romanum eine Truemmerschicht ablagerte, auf der Gaerten und Haeuser entstanden. Noch nicht verschuettete Tempel wurden von adligen Roemern als Haeuser gewaehlt. Ab jetzt

gab es keinerlei konkrete Erinnerungen an das urspruengliche Forum mehr, was der beste Naehrboden fnr die oben genannten Geruechte war.

Mit der Rueckkehr der Paepste aus Avignon begann eine neue Epoche, was allerdings den Nachteil nach sich zog, dass noch vorhandene wertvolle kulturelle Gegenstaende

(Statuen, etc.) als Baumaterial fnr andere Gebaeude verschwendet wurden. Im krassen Gegensatz dazu wurden erste Bemuehungen gemacht, die urspruengliche Funktion und

Gestalt des Forums zu deuten.

Im Jahre 1788 gab es die ersten Ausgrabungsversuche, die wegen ihrer Planlosigkeit mehr Schaden anrichteten, als neue Erkenntnisse mit sich brachten. Die ersten richtigen

Ausgrabungsarbeiten fanden Anfang des 19. Jahrhunderts statt, bei denen viele alte Geruechte widerlegt und falsche Ideen richtiggestellt wurden. Die intensiven

Ausgrabungsarbeiten waehrend dieser Zeit erfuhren neuen Aufschwung durch die Regierung, die erst ab 1870 diese Bemuehungen finanziell unterstuetzte. Seit 1898 laufen die noch

anhaltenden Ausgrabungsarbeiten, die, von einigen Unterbrechungen abgesehen, laufend neue Erkenntnisse mit sich bringen.

Doch ist ueber keinen Platz in ganz Rom noch so viel Unbekanntes und Mystisches im Umlauf wie ueber das Forum Romanum.

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Claus Strecker and Levent Yasavul

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Sixtinische Kapelle

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Schon von Anfang an stand die Gestaltung der Sixtinische Kapelle unter einem ungluecklichen

Stern, was sich sogar darin widerspiegelte, dass hierbei einige Menschen ihr Leben lassen

mussten. So wurden z.B. beim Einsturz eines Eingangsbogens 4 schweizer Leibgardisten getoetet.

Durch einen verrotteten Baumstamm in einem Nebengeruest stuerzte dieses ein, und tötete 2

Gehilfen Michelangelos.

Beim Zumauern zweier Fenster sollen angeblich 4 Passanten von herabfallenden Steinen getötet

worden sein.

Aber Michelangelo war solche Schicksalsschlaege schon seit frueh her gewohnt. 1481 stirbt seine

Mutter, als er 6 Jahre alt ist, worauf sein Vater 4 Jahre darauf schon wieder von neuem heiratet.

Nach mehreren Umzuegen und einer Lehre laesst er sich 1505 in Rom nieder. 1506 wird er fuer die

Deckenbemalung vom Papst berufen. Aber diese Arbeit laesst ihn auch auf andere Probleme

stossen: Unregelmaessige Lohnzahlungen, Schimmelbildung auf Teilen seines Werkes (z.B.

"Trunkenheit Noahs" etc.), eigene Krankheit und Todesfaelle in der Familie. Ebenso bereitete ihm

der Papst mit seinen unpuenktlichen Zahlungen zur Materialbeschaffung Sorgen. So ist eine

kontinuierliche Fortsetzung seiner Arbeiten nicht möglich. Im Februar 1511 erreichen all diese Umstaende ihren Tiefpunkt, als der Papst an einem Kreuzzug teilnimmt und somit alle

finanziellen Quellen versiegen. Fuer nahezu ein ganzes Jahr steht alles still.

Das Deckenfresko findet seine Vollendung schliesslich am Vorabend des Allerheiligentages 1512.

10 Jahre spaeter vollzieht sich der oben genannte, unglueckliche Zwischenfall, bei dem die 4 paepstlichen Leibgardisten ihr Leben lassen muessen.

Nochmals 6 Jahre darauf stirbt Michelangelos Bruder an der Pest. Im Krieg gegen die Medici wird Michelangelo zum Kriegsbauminister ernannt, um Verteidigungsanlagen zu bauen

und muss sich nach der Kapitulation Florenz' fuer mehrere Monate verstecken. Doch Papst Clemens VII. vergibt ihm, wenn er dafuer in seiner Arbeit an der Sixtinische Kapelle fortfaehrt.

1534 stirbt sein Vater im Alter von 90 Jahren, was Michelangelo dazu veranlaesst, endgueltig nach Rom zu ziehen, nachdem er zuvor nicht wusste, in welche Stadt es ihn zog.

Dieser Tod und der 12 Jahre spaeter folgende Tod seines Gehilfen, mit dem er knapp 30 Jahre zusammen gearbeitet hat, schlaegt sich deutlich auf seine Arbeit nieder, und er

uebermalt grosse Teile seines bisherigen Werkes.

Kurz vor seinem eigenen Tod setzt er wie in einer Vorahnung alles dran, sein Modell des Petersdoms zu vollenden und stirbt 1564 ebenfalls im Alter von fast 90 Jahren, nachdem er

dem gesamten Innenraum der Sixtinischen Kapelle seinen kuenstlerischen Stempel aufgedrueckt hat. Scheinbar so sehr, dass Daniele da Volterra kurz nach Michelangelos Tod

beauftragt wird, Tuecher ueber die Genitalien der Figuren in der Sixtinische Kapelle zu malen.

Am 10. Maerz wird sein Sarg zurueck in seine Heimatstadt Florenz gebracht und erst ein halbes Jahr spaeter mit einer zweistuendigen Totenrede beigesetzt.

1566 werden weitere Veraenderungen an den Gemaelden vorgenommen und schon 1572 die ersten Restaurationsarbeiten vollzogen, da erste Deckenrisse auftreten. UEber 200 Jahre

hinweg werden diverse Restaurationsarbeiten weitergefuehrt bis im Jahre 1797 Teile der Sintflut durch eine Explosion zerstoet werden.

Seither haben sich weitere 4 Restauratoren an der Sixtinische Kapelle versucht, jedoch hierbei mehr ueberpinselt als eigentlich erneuert.

1980 schliesslich wird die groeste aller Restaurationsarbeiten angegangen. Von Grund auf werden saemtliche Bilder von den UEbermalungen anderer Restauratoren und vom Schmutz

der Jahrhunderte befreit. Dieses Unterfangen gestaltet sich schwieriger als zunaechst angenommen, es wird bei der Vollendung am 31. Oktober (genau 400 Jahre nach der

Fertigstellung des Deckengemaeldes) jedoch sichtbar, dass diese Bemuehungen nicht umsonst waren.

Michelangelo's Sonet fuer Giovanni da Pistoia


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